Als Wüstungen werden aufgegebene Siedlungen bezeichnet, von denen heute meist nur noch Flurnamen, spärliche Mauerreste, Benennung in alten Urkunden oder historische Überlieferungen an sie erinnern.
Neben den größeren Städten gab es bis ins Mittelalter hinein in den ländlichen Regionen oft nur kleinere Orte, die manchmal nur aus wenigen Häusern bestanden. In der spätmittelalterlichen Wüstungsperiode von ca. 1300 – 1500 verschwanden sehr viele dieser Siedlungen. Einige wurden infolge Rivalitäten von Landherren niedergebrannt, das dürfte aber die Minderheit gewesen sein. Wüstungen sind wohl vielmehr zum Teil Folge von starkem Bevölkerungsschwund durch die Pest 1349/50 (geschätzt starb damals ein Drittel der Bevölkerung). Lange Dürre- und Regenperioden wechselten sich ab und machten den Bauern das Leben schwer. Zunehmend wurde Ackerland in ungünstigen Lagen oder mit wenig fruchtbaren Böden brach liegen gelassen. Kleine Siedlungen wurden aufgegeben und deren Einwohner zogen in die etwas größeren Nachbarorte, um dort einen Neuanfang zu wagen. Dörfliche Infrastruktur, wie Kirche, Bäcker, Höfe mit Braurecht bzw. eine Schenke oder später eine Schule gab es sowieso nur in größeren Orten.
Thüringen gehört zu den wüstungsreichsten Landschaften in Deutschland. Auch um Sundhausen herum liegen einige Wüstungen:
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Riesleben, auch Risla: Ist wohl die noch bekannteste alte Siedlung. Noch heute erinnert die Riesleber Straße an diesen Ort, deren Verlängerung zum Ort Riesleben führte. Dieser lag zwischen der Schweinemastanlage Uthleben und Sundhausen, nahe der jetzigen Autobahn. Einigen Sundhäusern ist noch das „Riesleber Börnchen“ bekannt, eine Quelle, die bis in die 1970er Jahre dort vorhanden war. Ein kleiner Teich und eine alte Linde befanden sich auch noch dort und sollen von diesem Örtchen abstammen. Bei Verlegung von Erdkabeln zwischen Steinbrücken und der Schweinemastanlage bei Uthleben wurden 1976 parallel zur dortigen Verbindungsstraße Tonscherben und einige Reste menschlicher Skelette gefunden, die einem Riesleber Friedhof zugehörig sein dürften.
Die Erwähnung dieses Ortes erfolgte im Walkenrieder Urkundenbuch mehrmals von 1131 bis 1398. In einem Schutzbrief von 1140 bestätigt Konrad III. dem Kloster Walkenried seine Güter, darunter auch Risla. Die Riesleber Einwohner scheinen damals nach Uthleben verzogen zu sein, zumindest wurden Riesleber Äcker und Wiesen größtenteils zu Uthleben zugeordnet.
Barberode, auch Barbararode oder Obern-Rode: Lage westlich von Sundhausen an der Rodebrücke, südlich der Helme. Wird in mehreren Quellen von 1292 bis 1400 erwähnt.
Ritterode: Westlich der Ortslage Steinbrücken, nördlich vom „Ritterberg“. Urkundliche Erwähnung im Teilungsvertrag zwischen den Grafen von Hohnstein-Clettenberg und Hohnstein-Heringen im Jahre 1373. Weitere Erwähnung 1593 in einem Halberstädter Lehnsbrief.
Elbingen, auch Elwingen: Zwischen Steinbrücken und Hain in einem kleinen Tal gelegen. Scheint ein sehr kleines Dorf, später nur noch ein Gut und zuletzt nur noch ein Haus gewesen zu sein. Erwähnung „1739 Jost Hartmann v. Bila auf Wolkramshausen und Elbingen“.
Bodenrode: Ein Weinhof mit Klostermühle des Walkenrieder Klosters, Lage in einem kleinen Tal südwestlich von Uthleben. Dort gab es tatsächlich mal Weinanbau. Die Bezeichnung Weinberg und Reste des Weinkellers haben sich bis in die heutige Zeit erhalten. Erwähnung ab 1188 im Walkenrieder Urkundenbuch. 1406 durch Graf Dietrich von Hohnstein-Heringen niedergebrannt.
Nentzelsrode (Dorfstelle), auch Nenzelsrode oder Nentzelsroda: Östlich der B4 bei Hain, nicht mit dem später entstandenen und um 1980 abgerissenen Vorwerk Nentzelsrode etwas weiter südlich zu verwechseln.
Nentzelsrode (Vorwerk), östlich von Hain an der B4 gelegen, ist wohl eine der jüngsten Wüstungen rund um Sundhausen. Das Vorwerk gehörte einst zur Karlsburg und wurde während der DDR-Zeit vom VEG Sundhausen bewirtschaftet, bevor es Anfang der 1970er Jahre aufgegeben wurde. Eine Zeit lang wurden noch der Schafstall und die Feldscheunen (ehemalige Offenställe) als Strohlager genutzt. Die Gebäude des Guts wurden Mitte der 1970er Jahre abgerissen, wobei die Feldscheunen erst in den frühen 1980er Jahren verschwanden. Heute zeugen nur noch ein paar Pflastersteine von der einstigen Existenz des Vorwerks.
Quellen
Quellenangaben: Zeitschrift des Harz-Vereins 1871 Drittes und viertes Heft - Die Wüstungen der Grafschaft Stolberg-Stolberg, Stolberg-Roßla und der Stammgrafschaft Hohnstein : / Karl Meyer
Die Wüstung Riesleben im Amte Heringen/Pastor Koch
Messtischblatt von 1909/1937
