Ortsgeschichte 1990 bis 2020

In diesem Abschnitt wird die historische Entwicklung des Ortes nach der DDR-Zeit, also von der "Wende" bis in die Gegenwart, vorgestellt. 

 


1. Zeit des Umbruchs

Bis zum Jahr 1989 wuchsen in der Bevölkerung Unzufriedenheit mit der Versorgungs- und Wohnungssituation. Die Wartezeiten auf einen bestellten Pkw „Trabant“ betrugen 10-12 Jahre, auf einen „Wartburg“ musste man 12-14 Jahre waren. Trotz großem Wohnungsbauprogramm mit modernen Neubauwohnungen in Plattenbauweise gab es, besonders in den Städten, Wohnungsmangel. Altbauwohnungen waren meist nicht oder nur notdürftig saniert. Ende 1989 wurden durch Demonstrationen und Bürgerinitiativen umfassende Reformen gewünscht. Stimmen, die eine „bessere“ DDR und vorerst nur ein Staatenbündnis mit der damaligen BRD wollten, fanden keine Mehrheit. Der „Konsumdruck“ stieg, Wünsche nach Reisefreiheit ebenfalls. Im November 1989 wurden zuerst in Berlin, dann auch im übrigen Land die Westgrenzen geöffnet. Die damalige Regierung der BRD unter Kanzler Kohl bewarb immer stärker eine Wiedervereinigung beider deutscher Staaten und eine baldige Währungsunion. Am 1. Juli 1990 erfolgte die Währungsunion, DDR-Sparguthaben wurden im Verhältnis 2:1 von Mark der DDR in D-Mark umgetauscht. Löhne, Gehälter und Preise im Verhältnis 1:1 übernommen. Am 3. Oktober 1990 erfolgte die „Wiedervereinigung“. Es wurde letztendlich aber dann kein Zusammenschluss zweier Staaten, sondern die DDR wurde der BRD einverleibt. Der Begriff „neue Bundesländer“ entstand. Zumal auch die Verwaltungsstruktur der ehemaligen DDR-Bezirke geändert wurde, so entstand aus den Bezirken Erfurt, Gera und Suhl das Bundesland Thüringen. In diesen Zeiten gab es auch für die Sundhäuser Bürger viele Turbulenzen. Man konnte mit D-Mark viele Konsumgüter einkaufen und die neue Reisefreiheit in westliche Länder nutzen, sofern man genügend Geld und noch einen Arbeitsplatz hatte. Quasi über Nacht galten andere Gesetze: Vom damals schon antiquierten Bürgerlichen Gesetzbuch der BRD über Steuergesetze, bis hin zur Straßenverkehrsordnung. Vieles war neu. Großbetriebe in Nordhausen, wie IFA-Motorenwerk (4.000 Beschäftigte), Fernmeldewerk (2.000 Beschäftigte) NOBAS Schwermaschinenbau, die DDR-Handelsorganisationen HO und Konsum, wurden abgewickelt. Viele Sundhäuser wurden arbeitslos, mussten sich beruflich umorientieren, Umschulungen machen und haben oft nur weiter entfernt eine neue Arbeit gefunden. Verwaltungen und Behörden wurden nach westlichem Aufbau neugeordnet. Sundhausen gehörte nun wieder zum (neuen) Bundesland Thüringen. Westdeutsche Beamte, Berater und Politiker wurden in den Osten geschickt, mal waren es gute Leute, mal nicht. Trabbi und Wartburg waren auf einmal Ladenhüter, wurden verschenkt, verschrottet oder einfach irgendwo am Straßenrand stehen gelassen. Viele wollten die neue Freiheit mit einem (gebrauchten) „Westauto“ genießen. Die manchmal windigen Autohändler haben sich die Hände gerieben. „Wenn sie rosten – ab in den Osten“ war deren Schlagwort hinter vorgehaltener Hand.

 


2. „Eingemeindung“ nach Nordhausen

Sundhausen OrtsschildIm Jahr 1994 wurde Sundhausen von der Stadt Nordhausen eingemeindet. Wegen Namensdoppelung wurden mehrere Straßen umbenannt:

Statt 99735 Sundhausen war nunmehr die Postanschrift 99734 Nordhausen gültig. Auch die Ortseingangsschilder wurden ausgetauscht.


3. Handel und Gewerbe

 Der Trend zu großflächigen Einkaufsmärkten an der Peripherie der Städte führte zu einem Aussterben der kleineren Verkaufsstellen, insbesondere im ländlichen Raum. Das Feld zwischen Nordhausen und Sundhausen wurde in den Jahren 1993-1994 zum Gewerbegebiet „An der Helme“. Nordhausen wuchs durch Marktkauf, den Ausbau des Schachtbaugeländes, ARAL-Tankstelle und VW-Autohaus an Sundhausen heran. Die ehemaligen Flutbrücken an der B 4 und an der Straße nach Uthleben wurden weggerissen, die Hohlwege aufgefüllt. Ins ehemalige Überflutungsgebiet wurde ein Opel-Autohaus gebaut (heutiger Standort eines Reifendienstes).

Am südlichen Ende der Riesleber Straße entstand ein Renault-Autohaus, an dessen Stelle sich heute ein privater Autohändler niedergelassen hat.

Die frühere Konsum-Kaufhalle in der Rinnestraße wird nun durch die Firma Krummel (Holz-und Ladenbau) genutzt.

An der Betonstraße siedelten sich die Unternehmen Granitbau, Wippertaler Getränkehandel und Müller-Beton an.

Der Scheunenhof erlebte eine neue Blütezeit, auch dank damals üppig sprießender Fördermittel. Dort befanden sich im Erdgeschoss Mitte der 1990er Jahre ein kleiner Edeka-Lebensmittelmarkt, eine Postagentur, ein Blumenladen, ein Bäcker und ein Fleischwarenstand. In einem Gebäudeteil entstand eine Gaststätte, deren glücklose Pächter mehrmals wechselten. Sogar RTL Fernsehen mit der Sendung „Rach – der Restauranttester“ war vor Ort – genutzt hat es leider nichts. Die Scheunenhof-Gaststätte ist schon lange wieder Vergangenheit. An der Betonstraße wurde eine Fleischerei gebaut, wo dreimal in der Woche Tiere von nahegelegenen Bauernhöfen geschlachtet wurden und so im Scheunenhof frische Bio-Wurst- und Fleischwaren verkauft wurden. Ein Bauerngarten mit kleinem Tierpark und eine Käserei rundeten das Bild ab.

Aus der Gaststätte „Zur Helme“ wurde das „Hotel zur Helme“ mit neuen Zimmern in einem modernen Anbau. Die Gaststätte „Treffpunkt“ schloss für immer, deren Saal wurde rückgebaut.

Bau Gasthof „Am Kesselberg“Dafür baute Fam. Delzer, die in der Wehrstraße einen kleinen Getränkehandel aufgebaut hatte, dort eine neue Gaststätte mit Pension, die heute noch besteht.

Das ursprüngliche Hotel „Zur Helme“ ist ebenfalls schon verschwunden, es schloss 2011 für immer. An dessen Stelle befindet sich heute ein Seniorenheim, welches den historischen Fachwerkbau mit Anbauten ergänzte und zu dem auch ein neu errichtetes Gebäude für betreutes Wohnen auf der gegenüberliegenden Seite der früheren B 4 gehört.

Der Name „Hotel zur Helme“ fand jedoch noch neben der Kirche auf dem ehemaligen Beckerschen Hof weitere Verwendung. Dort entstanden Übernachtungsmöglichkeiten, die gerne angenommen werden.

2016 schlossen dann auch die Geschäfte im Scheunenhof. Die ehemalige Gaststätte und das Erdgeschoss stehen leer (zum Stand 2020), das Obergeschoss wird für Büroräume genutzt. Der kleine Tierpark existiert nicht mehr und der ehemalige Bauerngarten ist verwildert. Die frühere Scheunenhof-Fleischerei an der Betonstraße ist jetzt ein Spezialgeschäft für Wildfleisch und Wurstspezialitäten. Weitere Einkaufsmöglichkeiten gibt es in Sundhausen im Jahr 2020 nicht mehr.

 


4. Infrastruktur

 Freigabe des Autobahnabschnitts bei Sundhausen 19981997 wurde die Gaststätte „Zur Wiederkehr“ (frühere „Einnahme“) zwischen Sundhausen und Steinbrücken abgerissen. An dieser Stelle wurde die Autobahnbrücke der jetzigen Anschlussstelle Nordhausen der A 38 errichtet. Ebenfalls von 1997-1998 wurde die Ortsumgehung der B 4 gebaut, mit einer neuen Brücke über die Helme. Vorher fanden auf dem Kesselberg an Stelle der späteren Straßentrasse archäologische Ausgrabungen statt, bei denen ein Gräberfeld freigelegt und archäologisch untersucht wurde. Dort konnten die Sundhäuser für kurze Zeit sozusagen die Gräber ihrer Urahnen besichtigen. Das Teilstück der Autobahn A 38 bei Sundhausen wurde 1998 für den Verkehr frei gegeben. Als dieses noch im Bau war, nutzten es viele Sundhäuser, um an den Wochenenden sozusagen auf einer Autobahn spazieren zu gehen oder mit dem Rad fahren zu können. Heute ist die A 38 eine wichtige Autobahnverbindung zwischen dem Raum Halle/Leipzig und der A 7 bei Göttingen.

Im Jahr 2010 wollte die Stadt Nordhausen auf dem Feld zwischen Südrand der Ortslage Sundhausen und der Autobahn einen großen Autohof mit Stellplätzen für 200 LKW, Tankstelle, Hotel, Schnellgastronomie und Erotikshop errichten lassen. Die unmittelbare Nähe zur Ortschaft und die zu erwartenden Lärm-, Abgas- und Lichtemissionen wurden von den Sundhäusern scharf kritisiert. Umfangreiche Bürgerproteste über Monate hinweg konnten dieses Projekt an diesem Standort letztendlich verhindern. 2011 gab es daraufhin einen neuen Stadtratsbeschluss, der sich gegen den Autohof aussprach.

 


5. Karlsburg

KarlsburgDie Karlsburg wurde vorerst weiter als Heim für behinderte Kinder und Jugendliche genutzt. Mehrere Sundhäuser arbeiteten dort als Betreuer bzw. im verwaltenden Bereich. Nach 1990 erfolgten weitere Umbau- und Sanierungsmaßnahmen (moderne Heizungsanlage, neue Fenster, Innenarbeiten), das Heim wurde einige Jahre später trotz vieler Proteste von Eltern und Erziehern geschlossen. Seitdem standen die Gebäude leer und wurden im Sommer 2008 verkauft.

Der neue Eigentümer modernisierte zuerst die Nebengebäude, dann das Haupthaus und errichtete ansprechende Mietwohnungen zu erschwinglichen Preisen. Leider blieben die Tore des großen Areals für Außenstehende verschlossen, Gebäude und der große Park sind nur für die Mieter der Anlage zugänglich.

 


6. Schule

Tag der offenen Tür 2003 Aus der POS „Erich Weinert“ wurde die staatliche Grund- und Regelschule Sundhausen. Leider fanden dort keinerlei Renovierungen / Modernisierungen statt. Aufgrund veränderter Schulnetzplanung wurde die Schule 2003 endgültig geschlossen. Die Schüler aus Sundhausen, Bielen und Steinbrücken werden seitdem in Nordhausen unterrichtet, die Schüler aus Uthleben in Heringen.

Die Schulgebäude stehen seitdem leer und der Zahn der Zeit nagt langsam aber beständig an ihnen. Einzig die Turnhalle wird noch für den Vereinssport genutzt.

 


7. Weitere Veränderungen im Ortsbild

 Der Friedhof wurde durch ein Urnengräberfeld erweitert, eine neue Trauerhalle wurde gebaut.

1993/94 wurde am Sportplatz die Festhalle für 700.000 DM errichtet, welche 240 Gästen Platz bietet. Der Fußballplatz bekam eine Tribüne und schmückt sich nun mit dem Namen „Helme-Stadion“.

Das alte Pfarrhaus am Kirchplatz wurde von der Kirche verkauft und ist nun ein Wohnhaus.Das 2014 erbaute Feuerwehrhaus Die Feuerwehr bekam in der Rinnestraße eine moderne Fahrzeughalle.

Das ehemalige Reinhardtsche Haus in der Rodegasse / Ecke Rinnestraße wurde modernisiert und mit einem Anbau versehen und beherbergt eine Hausarztpraxis.

Viele Sundhäuser haben in den 1990er Jahren ihre Wohnhäuser renoviert und modernisiert, das Ortsbild ist schöner und bunter geworden.

 


8. Helmeregulierung

Pegelhaus und neue BrückeIn den Jahren 2010/11 wurden umfangreiche Hochwasserschutzmaßnahmen an der Helme realisiert. Ungefähr einen Kilometer flussaufwärts der Ortslage Sundhausen wurde ein Klappenwehr gebaut, welches ab einem bestimmten Hochwasserpegel kontrolliert Wasser aus der Helme auf die nebenliegenden Felder abfließen lässt. Das Flussbett der Helme erhielt an einigen Stellen wieder annähernd seinen ursprünglichen Verlauf, diesmal mit zusätzlichen Überschwemmungsflächen.
Im Ort wurde eine neue, höhere Hochwasserschutzmauer an der Rinnestraße errichtet. Die alte und schon stark baufällige Fußgängerbrücke am „Kochs Gang“ musste einer neuen Brücke weichen. Ebenso wurde das Pegelhäuschen durch ein neues ersetzt.


Die „Promenade“ zwischen Rinnestraße und Dorfbrücke verschwand, das baufällige ehemalige Feuerwehrgerätehaus wurde abgerissen. Nach den Baumaßnahmen am eigentlichen Flussbett der Helme wurden wieder neue Bäume angepflanzt, stabile Bänke errichtet und eine moderne LED-Wegbeleuchtung installiert. Ein neu angelegter asphaltierter Fuß- und Radweg führt von der alten B 4 bei „Schmidts Garten“ (jetziges Seniorenheim) an der Helme entlang bis zur Dorfbrücke.
Flussabwärts des Dorfes wurde der Lauf der Helme ebenfalls deutlich umgestaltet, auch hier wieder mit teilweise größerem Querschnitt und zusätzlichen Überschwemmungsflächen. Leider wurden viele der alten Pappeln gefällt, die für den Helmeabschnitt in Richtung Uthleben charakteristisch waren.

 


9. Sundhäuser Seen

Der Sundhäuser See Nicht nur das Gewerbegebiet „An der Helme“ wuchs nach 1990 an Sundhausen heran – auch der Kiesabbau veränderte die Landschaft am nördlichen bzw. nordöstlichen Ortsrand stark. Mehrere große Kiesteiche bilden mittlerweile eine große Seenlandschaft, es gibt sogar namentlich einen „Sundhäuser See“. Tauchsportler aus ganz Deutschland kommen gern hierher, um ihrem Hobby zu frönen: Die Tiefe von bis zu 40 Metern, das klare Wasser und der artenreiche Fischbestand sprechen für sich. Umliegende Tauchbasen, Übernachtungsmöglichkeiten und kleine Campingplätze entstanden. Zwei Unterwasser-Schiffswracks und die Unterwasserstadt „Nordhusia“ sind ebenfalls für die Taucher interessant.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Sundhäuser Sees entstand ab ca. 2018 die Ferienhaussiedlung „Seelano“ mit vielen schönen Ferienhäusern und direktem Seezugang.