1. Zeit des Umbruchs
Bis zum Jahr 1989 wuchsen in der Bevölkerung Unzufriedenheit mit der Versorgungs- und Wohnungssituation. Die Wartezeiten auf einen bestellten Pkw „Trabant“ betrugen 10-12 Jahre, auf einen „Wartburg“ musste man 12-14 Jahre waren. Trotz großem Wohnungsbauprogramm mit modernen Neubauwohnungen in Plattenbauweise gab es, besonders in den Städten, Wohnungsmangel. Altbauwohnungen waren meist nicht oder nur notdürftig saniert. Ende 1989 wurden durch Demonstrationen und Bürgerinitiativen umfassende Reformen gewünscht. Stimmen, die eine „bessere“ DDR und vorerst nur ein Staatenbündnis mit der damaligen BRD wollten, fanden keine Mehrheit. Der „Konsumdruck“ stieg, Wünsche nach Reisefreiheit ebenfalls. Im November 1989 wurden zuerst in Berlin, dann auch im übrigen Land die Westgrenzen geöffnet. Die damalige Regierung der BRD unter Kanzler Kohl bewarb immer stärker eine Wiedervereinigung beider deutscher Staaten und eine baldige Währungsunion. Am 1. Juli 1990 erfolgte die Währungsunion, DDR-Sparguthaben wurden im Verhältnis 2:1 von Mark der DDR in D-Mark umgetauscht. Löhne, Gehälter und Preise im Verhältnis 1:1 übernommen. Am 3. Oktober 1990 erfolgte die „Wiedervereinigung“. Es wurde letztendlich aber dann kein Zusammenschluss zweier Staaten, sondern die DDR wurde der BRD einverleibt. Der Begriff „neue Bundesländer“ entstand. Zumal auch die Verwaltungsstruktur der ehemaligen DDR-Bezirke geändert wurde, so entstand aus den Bezirken Erfurt, Gera und Suhl das Bundesland Thüringen. In diesen Zeiten gab es auch für die Sundhäuser Bürger viele Turbulenzen. Man konnte mit D-Mark viele Konsumgüter einkaufen und die neue Reisefreiheit in westliche Länder nutzen, sofern man genügend Geld und noch einen Arbeitsplatz hatte. Quasi über Nacht galten andere Gesetze: Vom damals schon antiquierten Bürgerlichen Gesetzbuch der BRD über Steuergesetze, bis hin zur Straßenverkehrsordnung. Vieles war neu. Großbetriebe in Nordhausen, wie IFA-Motorenwerk (4.000 Beschäftigte), Fernmeldewerk (2.000 Beschäftigte) NOBAS Schwermaschinenbau, die DDR-Handelsorganisationen HO und Konsum, wurden abgewickelt. Viele Sundhäuser wurden arbeitslos, mussten sich beruflich umorientieren, Umschulungen machen und haben oft nur weiter entfernt eine neue Arbeit gefunden. Verwaltungen und Behörden wurden nach westlichem Aufbau neugeordnet. Sundhausen gehörte nun wieder zum (neuen) Bundesland Thüringen. Westdeutsche Beamte, Berater und Politiker wurden in den Osten geschickt, mal waren es gute Leute, mal nicht. Trabbi und Wartburg waren auf einmal Ladenhüter, wurden verschenkt, verschrottet oder einfach irgendwo am Straßenrand stehen gelassen. Viele wollten die neue Freiheit mit einem (gebrauchten) „Westauto“ genießen. Die manchmal windigen Autohändler haben sich die Hände gerieben. „Wenn sie rosten – ab in den Osten“ war deren Schlagwort hinter vorgehaltener Hand.