Geschichten aus Sundhausen und über Sundhäuser

Hier erwartet Sie eine Sammlung von Geschichten, die das Leben in Sundhausen auf charmante und unterhaltsame Weise einfangen. Tauchen Sie ein in die Welt unserer kleinen Gemeinde und entdecken Sie lustige, skurrile und faszinierende Anekdoten über den Ort und dessen Bewohner. Von unerwarteten Begegnungen bis hin zu unvergesslichen Ereignissen – diese Geschichten spiegeln die Vielfalt und den Charme unseres Dorfes wider. Lassen Sie sich auf eine Reise durch die Vergangenheit und Gegenwart von den Kuriositäten und liebenswerten Charakteren verzaubern.

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Sundhäuser Ritter rettet Bauern

Das Bauernheer unter Führung von Thomas Müntzer wurde im Mai 1525 in der Schlacht bei Bad Frankenhausen vernichtend geschlagen. Die Anführer der aufständischen Bauern wurden enthauptet.

In Schiedungen wurde unter Vorsitz des Grafen Ernst von Hohnstein über die Hohnsteinschen Untertanen Gericht gehalten. Berend von Tettenborn, dessen Sohn von Bauern erschlagen wurde, verlangte, jeder Edelmann solle an seinem Spieß neun Bauern aufspießen und umbringen. Andere meinten, man solle die Bauern allesamt im Großen Schiedunger Teich ersäufen.

Balthasar von Sundhausen, damals ein junger Ritter, verhinderte dies. Er riet dem Grafen von Hohnstein, den Bauern aus Gnade das Leben zu schenken und sie stattdessen mit einer Geldbuße zu belegen. Denn wenn sie alle umgebracht würden, wäre niemand mehr da, dem Grafen seine Ländereien zu bestellen, denn die armen Witwen können dies nicht. Der Graf folgte diesem klugen Rat, der den Bauern das Leben rettete.

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Goethe in Sundhausen

Der junge Goethe, gemalt von Angelica Kauffmann 1787, Public domain, via Wikimedia CommonsJohann Wolfgang von Goethe durchquerte auf seiner Harzreise am 30.11.1777 auch Sundhausen. Dabei machte er in der Dorfschenke Rast. In seinem Tagebuch schrieb Goethe: „Hinter Sondershausen weg auf Sundhausen. Schöne Aussicht die Goldene Aue vom Kyffhäuser bis Nordhausen herauf. Mit einigen Invaliden, die ihre Pension in Ilfeld holten. Fütterte in Sundhausen.“ 

 

Siehe auch: Nordhausen Wiki "Goethes Beziehungen zu unserer Heimat"

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Kluge Weiber

1806 zogen die Franzosen nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt auf ihrem Marsch in Richtung Berlin plündernd und brandschatzend durch Sundhausen. Am 17.10.1806 wurde die Mühle geplündert. Der damalige Müller Johann Christoph Steuber starb am 30.10.1806 an den Folgen der ausgestandenen Schrecken. Im Bilaschen Gut griffen die klugen Frauen zu einer List: Sie warfen Möbel und Betten auf den Gutshof, zerbrachen und zerrissen diese, so dass die Franzosen glaubten, hier wäre schon alles ausgeraubt und den Hof unbehelligt ließen.

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Karl Peter

Karl PeterIn der Stadt Witten, Ortsteil Bommern (Ruhrgebiet), liegt die Karlstraße, die 1922 nach dem Lehrer Karl Peter benannt wurde. Karl Peter wurde am 10.05.1867 in Sundhausen geboren und verstarb am 9.2.1920 in Bommern. Er unterrichtete ab 1895 an der Schule Bommern III und ab 1897 an der Schule Bommern 1. Karl Peter war Mitbegründer und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Siedlungsgemeinschaft Familienheim, in welchem diese Straße liegt.

 

Quelle: Buch „WITTEN Straßen-Wege-Plätze“ (1989) von K.-H.Hildebrand u. Paul Brandenburg

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Hugo Haase

Hugo Haase (* 18. Februar 1902 in Sundhausen; † 10. August 1966) war ein deutscher Hydrologe, der in Göttingen studierte und 1936 promovierte. Bekannt wurde er durch seine Untersuchungen der hydrologischen Verhältnisse in der Südharzer Karstlandschaft. Als erster untersuchte Haase die unterirdische Entwässerung der Flüsse Steina, Ichte, Uffe, Wieda und Zorge im Zusammenhang mit dem Wiederaustreten des Wassers in Karstquellen, insbesondere dem Salzaspring bei Nordhausen.

Bildquelle: Karstwanderweg.de Hugo Haase - Im Gedenken an einen bedeutenden Erforscher der Gipskarstlandschaft Südharz (Firouz Vladi, 18.02.2022)

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Sundhäuser Originale

Muhme Henning - wurde 1863 geboren. Mit 14 Jahren war sie auf dem Schreiberschen Gute in Arbeit getreten und ist ihr Leben lang dort geblieben. Sie war eine geborene Henriette Schmidt. Nach 40-jähriger Dienstzeit erhielt sie das Verdienstkreuz der Landwirtschaftskammer, nach 50-jähriger eine Medaille des Reichspräsidenten von Hindenburg und nach 60-jähriger eine solche von der Arbeitsfront. Sie machte sich bis in ihre letzte Lebenszeit immer noch als „Muhme Henning“ tätig und nützlich in Küche und Milchkammer des Gutes. Mitte April 1938 ist sie, 75 Jahre alt, gestorben.

Onkel WittigOnkel Wittig - über Onkel Wittig ist leider nur wenig überliefert. Er war im Sundhäuser Ortsbild bekannt, weil er mit einem Ziegengespann durch den Ort fuhr. (bis ca. in die 1950er Jahre???)

 

 

Peter BöhmePeter Böhme - war ein Sundhäuser von großer Gestalt, der immer für einen Jux zu haben war und insbesondere in den 1960er bis 1980er Jahren sozusagen als „guter Geist des Ortes“ verschiedenste Aufgaben erfüllte: So u.a. als Gemeinde- und Friedhofsarbeiter und bei der Wartung der Pumpenanlagen der Sundhäuser Wasserversorgung.

 

Das SandmännchenDas Sandmännchen - diese beliebte Figur aus dem abendlichen Kinderfernsehen wurde in den 1970er und 1980er Jahren bei Dorf- und Kinderfesten durch Herrn Höppner verkörpert, der mit seiner kleineren Figur, einem kleinen Traktor und passender Verkleidung mit Umhang, Zipfelmütze und Bart die Kinder begeisterte. Das brachte ihm dann auch im Ort im alltäglichen Leben den Spitznamen "das Sandmännchen" ein.

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Warum Sundhausen kein Freibad bekam und Uthleben keine Wasserleitung

Planung Sptortplatz und Freibad 1938Im Zeitraum 1933 - 1939 gab es erste Planungen, in Sundhausen südlich des „Jugendheims“ (jetziger Standort DRK-Rettungswache) ein Freibad zu bauen. Auch die Uthleber wollten gerne ein Bad haben. Doch auch damals war das Geld vom Landkreis knapp. Nach ersten Kostenschätzungen wurden die Bürger beider Orte vor die Wahl gestellt „Wasserleitung oder Freibad“. Die Sundhäuser entschieden sich praktischerweise für den Bau einer zentralen Ortswasserversorgung mit Pumpenhaus und Hochbehälter auf dem Kesselberg. Die Uthleber entschieden sich für das Freibad und so konnten die Einwohner unseres Nachbarortes zwar im Sommer ins Freibad, jedoch musste jeder Grundstückseigentümer dort noch lange Zeit selbst sehen, wo er Trinkwasser herbekam.

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Polizei in Sundhausen

Das Haus Sondershäuser Str. 26 war lange Zeit im Gemeindeeigentum und Polizeistation des Ortes.

Seit den 1950er Jahren bis 1962 amtierte dort Wachtmeister Schulz, dann ABV (Abschnittsbevollmächtigter der Deutschen Volkspolizei) Röthling bis 1970. Dessen Amtsnachfolger war dann H. Apitius mit Dienstsitz in der Schulstraße. Nach 1990 wurden die Abschnittsbevollmächtigten abgeschafft, um in Folge steigender Kriminalität Ende der 1990er Jahre als „KoBB“ = Kontaktbereichsbeamte unter anderem Namen und nun für meist mehrere Orte zuständig, sozusagen wieder aufzuerstehen.

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Poststelle

Nordhausen besaß ab 1691 ein kaiserliches (Thurn- und Taxisches) Postamt. Eine Postzustellung in die Dörfer der Umgebung erfolgte damals vermutlich nur spontan und bei Bedarf. Von 1877-1878 erbaute die Reichspostverwaltung das Post- und Telegraphenamt am Königshof in Nordhausen. Mit allmählich steigendem Postaufkommen brachte dann ein Postbote einmal täglich anfallende Post von Nordhausen in die umliegenden Orte.
Am 11. Mai 1933 wurde Sundhausen eigenständiger Postort. Der alte Schneider Franke in der Wertherstraße wurde Posthalter; sein Sohn Friedrich, genannt „Fritze Franke“, wurde Postbote für Sundhausen und Steinbrücken. Kraftpostwagen aus Nordhausen brachten und holten zweimal täglich die Postsachen. Postbote Franke trug Briefsachen aus, leerte 2 Briefkästen und fuhr auch mit einem Postkarren Pakete aus. Die postalische Anschrift unseres Dorfes hieß nun „Sundhausen über Nordhausen“

Zwischen 1955 und 1965 gab es eine dürftig eingerichtete Poststelle in einer Scheune von Walter Schönemann. Der zugehörige Hof in der Rinnestraße wurde damals auch "Spittel" genannt.   Im Jahr 1965 übernahm Frau Ursula Paksa die Leitung der Post, und die Poststelle zog in die Sondershäuser Straße 45 um. Dort wurde auch der erste öffentliche Fernsprecher installiert, der jedoch nur eingeschränkt außerhalb der Geschäftszeiten genutzt werden konnte. Es gab nur einen Anschluss für beide Telefone, der je nach Bedarf umgeschaltet wurde.

Die Post war nicht nur für die Zustellung von Briefen, Paketen und Päckchen zuständig, sondern auch für die Auslieferung von Telegrammen und Zeitungen und auch das Lotto-Geschäft oblag der Post. Zu bestimmten Zeiten, wie z.B. abends um 19:00 Uhr, mussten Telegramme entgegengenommen und zugestellt werden. Oft waren desshalb die beiden Jungen der Familie noch am Abend mit dem Fahrrad unterwegs und freuten sich über 20 Pfennig Trinkgeld.

Telegramme waren damals teuer und wurden nach Anzahl der Wörter berechnet. Die Übermittlung erfolgte meist telefonisch, wobei der Kunde ein Formular mit Adressat und Text ausfüllte und es an den Postangestellten übergab. Dieser rief dann die Telegrammannahme an und übermittelte den Text. Unübliche Wörter oder Abkürzungen mussten buchstabiert werden. Von der Telegrammstelle wurde der Text dann per Fernschreiber, zum Beispiel ins Ausland oder zur Poststelle des Empfängers, übermittelt. Bei der Annahme wurde der Text wieder in ein Formblatt eingetragen, in ein Kuvert gesteckt und per Boten zum Empfänger gebracht.

Einmal machten Studenten einen Jux und schickten ihrem Kommilitonen der in unserem Dorf bei seiner Familie feierte, ein Glückwunschtelegramm auf Latein. Der Sinn des Textes war kaum noch zu erahnen.

Täglich kam gegen 10:00 Uhr das Postauto, um Pakete, Päckchen, Briefe und Zeitungen zu liefern und die abgehende Post mitzunehmen. Es ist kaum zu glauben, aber bis in die 1960er Jahre hatten die Postautos ein verlängertes Fahrerhaus und waren somit auch für Personentransport geeignet. Da Sundhausen die letzte Station auf der Tour war, konnte man so recht schnell nach Nordhausen gelangen. Personen, die in anderen Dörfern zustiegen, mussten die restliche Ausliefertour mitfahren. Mit der Umstellung auf modernere Fahrzeuge war dies später nicht mehr möglich.

Gemeindehaus in dem ab den 1970er die Poststelle untergebracht war.Ende der 1960er Jahre zog die Poststelle auf den Beckerschen Hof um. So manches Hochwasser legte hier den normalen Betrieb lahm. Später wurde die Poststelle im Gemeindehaus untergebracht. Ab 1973 übernahm Frau Ursula Schönemann die Leitung der Poststelle.

Mit Einigungsvertrag 1990 wurde die Deutsche Post der DDR in die Deutsche Bundespost in deren jeweilige Teilunternehmen Postdienst, Postbank und Telekom eingegliedert. Die Poststelle im Gemeindeamt wurde geschlossen. Die Bargeldauszahlung der Renten durch die Post wurde eingestellt, diese wurden nur noch überwiesen. Es gab eine sogenannte Postagentur in der Giekersgasse, wo durch Fam. Körner ein kleines Ladengeschäft eröffnet wurde. Wenig später war die Postagentur dann im Scheunenhof untergebracht. Zum Telefonieren wurde damals eine Telefonzelle an der Ecke Sondershäuser Straße / Rodegasse aufgestellt, die heute auch schon lange Geschichte ist. Damals gab es noch keine Mobiltelefone und Festnetzanschlüsse wurden erst nach und nach weiter eingerichtet.
Mit Schließung der Geschäfte im Scheunenhof verschwand auch die Postagentur. Heute wird die Post von Postboten mit Autos im Ort ausgefahren. Pakete werden durch die Post oder durch private Paketdienste ausgeliefert.

Sonderstempel 1000 Jahre SundhausenDie DDR führte 1964 ein modernes, vierstelliges Postleitzahlsystem ein, Sundhausen bekam die PLZ 5501, im internationalen Verkehr O-5501 geschrieben.
Am 1. Juli 1993 wurde das jetzige fünfstellige PLZ-System in der Bundesrepublik Deutschland eingeführt. Unser Ort war ab diesem Zeitpunkt postalisch unter 99735 Sundhausen zu erreichen. Mit Eingemeindung nach Nordhausen änderte sich die Postanschrift auf 99734 Nordhausen.

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Die Sundhäuser Inseln

Sundhausen hatte tatsächlich mal zwei Inseln:

Eine kleine Insel, eher ein „Inselchen“, in der Helme - unmittelbar flussabwärts unterhalb von der Dorfbrücke, also zwischen ehem. Gemeindeamt und Auestraße gelegen, um 1850 sogar mit eigener Flurstücksnummer. Und eine große „Insel“, die durch Helme und Mühlgraben gebildet und umflossen wurde. Mit Bau der Chaussee nach Sondershausen, wurde diese Insel durch zwei Brücken erschlossen. Das erste Gebäude auf dieser großen Insel ist das etwas zurückgesetzte, größere Haus mit der heutigen Adresse Sondershäuser Straße 17, welches zu DDR-Zeiten als Arztpraxis, Gemeindeschwesterstation und Wohnhaus genutzt wurde. Weitere „Inselgebäude“ waren die jetzigen Häuser Sondershäuser Straße 19, 21, 23 und Nr. 24, das Gasthaus Schmidt, jetzt Seniorenheim.

Die kleine Insel verschwand vermutlich im Zuge der Helmeregulierung 1935/36. Die große Insel war dann auch keine mehr, als bei der Helmeregulierung 1972 der Mühlgraben zugeschüttet wurde.

Auszug aus Landkarte ca.1900

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„Brückenort“ Sundhausen

Hatte Sundhausen mehr Brücken als Venedig? Diese interessante Frage lässt sich sowohl mit ja, als auch mit nein beantworten, je nachdem, welche Betrachtungsweise man heranzieht.

Venedig wird oft benannt, wenn nach einer Stadt mit vielen Brücken gefragt wird. Tatsächlich gibt es dort jedoch „nur“ 400 Brücken. Europas heimliche Brückenhauptstadt dagegen ist Hamburg mit rund 2.500 Brücken.

Die 10 Brücken, die Sundhausen bis in die 1990er Jahre hatte, erscheinen da auf den ersten Blick ziemlich wenig. Setzt man die Anzahl der Brücken jedoch ins Verhältnis zur Einwohnerzahl, ergibt sich dagegen ein völlig anderes Bild:

Venedig hat rund 262.000 Einwohner, d.h. auf 655 Einwohner kommt statistisch gesehen eine Brücke. Bei Hamburg sieht das Verhältnis gar nicht so viel anders aus, mit rund 1.900.000 Einwohnern steht eine Brücke 760 Einwohnern gegenüber.

In Sundhausen war die „Brückendichte“ im Verhältnis zur Einwohnerzahl sehr viel größer:

Auf rund 1.200 Einwohner gab es einmal 10 Brücken, also auf 120 Einwohner eine Brücke. Damit hatten wir hier deutlich mehr Brücken auf die Einwohnerzahl bezogen, als Hamburg und Venedig!

Auszug aus Messtischblatt von 1980

 Im Einzelnen sind / waren das (im Zeitraum 1965-1990 betrachtet):

  1. Die Dorfbrücke (zwischen Riesleber Str. und Kirchplatz), vermutlich die älteste Brücke im Ort, sicherlich auch zuerst aus Holz, später aus Beton
  2. Der „Schenksteg“ (Verbindung zwischen Kochs Gang und Hauptstraße), reine Fußgängerbrücke, ursprünglich aus Holz, später aus Beton; 2011 abgerissen und komplett neu gebaut; der Name erinnert an die Schenke (Gaststätte), die sich dort befand
  3. Alte Helmebrücke der Sondershäuser Straße, erst aus Holz, dann 1928 aus Beton gebaut, heute noch mit altem Betonquadergeländer vorhanden
  4. Alte Mühlgrabenbrücke, Sondershäuser Straße, erst aus Holz, dann 1928 aus Beton gebaut; in den 1990er Jahren abgerissen
  5. Flutgrabenbrücke (Sondershäuser Str. zwischen Einmündung Rinnestraße und Einmündung Uthleber Straße) 1928 erbaut, 1990er Jahre abgerissen
  6. Flutgrabenbrücke Uthleber Straße, zwischen Einmündung Scheunenhof und Kreuzung B 4, 1928 erbaut, 1990er Jahre abgerissen
  7. Flutgrabenbrücke B 4 (Nähe Ampelkreuzung B 4 / Uthleber Str.) ca. 1965 gebaut, 1990er Jahre abgerissen
  8. Flutgrabenbrücke B 4 (neben Einmündung Kesselweg), ca. 1965 gebaut, 1990er Jahre abgerissen
  9. Neue Mühlgrabenbrücke (am Ende des alten Teils der B 4, gegenüber Seniorenzentrum, vor Abzweig Weg zur Kleingartenanlage), ca. 1965 gebaut, 1990er Jahre abgerissen
  10. Neue Helmebrücke (Nähe Kreuzung Sondershäuser Straße / Wehrstraße), ca. 1965 gebaut, besteht heute noch, Stahlgeländer

Auf der Karte sind zusätzlich in Blau markiert:

A) ehemaliges Helme-Wehr
B) ehemaliger Mühlgraben
C) früherer Wassergraben zur Karlsburg
D) alter Wassergraben um die Karlsburg

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Sundhäuser Wein

Weingarten 1952Ältere Sundhäuser kennen noch den „Weinberg“ oder „Weingarten“, der ca. 1 Kilometer südlich der Schweinemastanlage Uthleben beginnt und die geografische Bezeichnung „Zum Entental“ hat. Auch der „Weinkeller“, von dem nur noch ein paar spärliche, von dichtem Gestrüpp umrankte Mauerreste vorhanden sind, liegt dort. Geschichten über unterirdische Gänge dort dürften allerdings eher der Phantasie entsprungen sein.

Doch woher kommt nun der Name Weinberg? Ist das auch nur eine Legende?

Keinesfalls: Weitere Recherchen haben ergeben, dass es genau dort und auch sonst in unserer Region tatsächlich einmal intensiveren Weinanbau gegeben hat:

Für Garten- und Weinbau sind die Zisterziensermönche in Deutschland bekannt geworden. Die Stammklöster dieses Ordens lagen schließlich in den weinreichen Provinzen von Burgund und der Champagne. Fast jedes in Deutschland entstandene Kloster suchte sich dann in seinem Bereich günstige Hänge, um dort Weinberge anzulegen. Das Klima war damals in Mitteldeutschland milder und wärmer, als heutzutage.

Die Mönche des 1127 gegründeten Klosters Walkenried waren in unserer Gegend ursprünglich damit beschäftigt, die Sumpfgebiete in Helme- und Zorgeniederung allmählich trockenzulegen und dort Ackerbau zu ermöglichen (so entstand später daraus die „Goldene Aue“ mit ihren fruchtbaren Böden).

Wein galt in dieser Zeit als Volksgetränk. Er war wohlschmeckender und lagerfähiger, als Bier.

Die hügelige Landschaft der Umgebung schien das Gefallen der Mönche zu finden. An vielen Stellen begannen sie, Wein anzubauen.

Historisch belegt sind u.a. Weinberge bei Nordhausen (hier erinnern heute noch die Straßenamen „Am Weinberg“ und „Weinberghof“ an diese längst vergangene Zeit) und am Nord- und Südrand der Goldenen Aue. Die Bezeichnung „Weinberg“ ist auf alten Karten auch nördlich von Urbach und südöstlich von Uftrungen zu finden. Die Herren von Werther führten um 1200 sogar im Wappen einen mit Weinblättern besetzten Zweig.

Weingarten 2017Nun aber wieder zu „unserem“ oben schon angeführten Weinberg am Entental, an dessen Ende die Wüstung Bodenrode lag und die noch in alten Karten eingezeichnet ist:

Im Jahre 1188 erhielt das Kloster Walkenried vom Grafen Reinbodo von Beichlingen „17 Hufen Land mit Weinwachs zu Bodenrode in der güldenen Aue“.

In der „Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Alterthumskunde“ (8. Jahrgang 1875) ist zu lesen: „Das Kloster Walkenried besaß schon 1188 in der Nähe von Uthleben den Weinhof Bodenrode (vinea Botenroth 1193), welcher jedoch 1339 schon wieder als curia desolata Bothenrod bezeichnet wird.“ (Vinea = Weinberg, Weingarten; curia desolata = wüster, verfallener Ort, Siedlung)

1254 bestätigt Heinrich der Große dem Kloster Walkenried den Besitz der Bachläufe, welche zum Klosterhofe Beringe gehören und den Wald und die Ländereien, welche vor dem Klosterhofe Bodenrode (südlich von Uthleben) liegen. Auch eine Klostermühle soll es gegeben haben.

Graf Dietrich von Hohnstein hatte später Streit mit einem Abt des Klosters und ließ 1407 die Klosterhöfe „Berrungen, Berbisleben, Riedhoff und Bottenrote“ niederbrennen (Quelle: „Historische Beschreibung des Klosters Ilfeld“ von Joh. Georg Leuckfeld, 1717). Das dort benannte Jahr 1407 scheint allerdings im Widerspruch zur dem vorhin genannten von 1339 zu stehen, dies ließ sich anhand bislang vorliegender Informationen nicht eindeutig klären. Es ist also davon auszugehen, dass in der Zeitspanne 1339-1407 wahrscheinlich der Weinanbau zumindest in der Sundhäuser Flur endete. Aber auch in der ganzen Region war ein genereller Niedergang des Weinanbaus zu verzeichnen. Mit zunehmender Ertragssteigerung in der übrigen Landwirtschaft (Getreide, Kartoffeln) wurde der arbeitsintensive Weinbau immer unwirtschaftlicher, bis er schließlich ganz aufgegeben wurde. Bis zum 17. Jahrhundert änderte sich auch das Klima spürbar. Die Durchschnittstemperaturen sanken, es gab strengere Winter, die Erträge wurden immer unsicherer.

Geblieben sind vom historischen Weinanbau im Umfeld der Goldenen Aue nur noch einige alte Flurbezeichnungen. Manchmal sind an den ehemaligen Weinbergen noch Reste von Weinbauterrassen, Lesesteinwällen oder Trockenmauern zu erahnen. Auch wilder Wein, alte Obstbäume und Heckenpflanzen können an solchen Standorten Zeugen früheren Weinanbaus sein – die Weinberge waren damals nicht nur mit Weinstöcken bepflanzt. Die Bauern mussten ihren Lebensunterhalt bestreiten und hatten zwischen dem Wein oft auch Obstbäume stehen, Gemüse angebaut und als Windschutz Hecken angepflanzt. Linienförmige Strukturen heute noch bestehender Gehölze sind z.T. auf Luftbildern erkennbar.

Früher hießen die Weinbergarbeiter „Hecker“. Aus Sundhausen ist der alte Familiennamen „Heckerodt“ überliefert. Möglicherweise stammen diese Namen wie damals üblich aus den Berufen „Hecker“ und „roden“, weil ursprünglich vorhandene Waldflächen für den damaligen Weinbau erst gerodet werden mussten.

Ein paar hundert Jahre später gab es übrigens wieder Sundhäuser Wein, aber keinen Weinanbau:

In der weit über unseren Ort hinaus bekannten Mosterei Hoche in der Sondershäuser Straße konnte man bis in die 1990er Jahre Äpfel abgeben und dafür leckeren Apfelmost (Saft) oder Apfelwein bekommen. Im Volksmund wurde der Apfelwein augenzwinkernd auch „Kesselbergs Riesling“ genannt.

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Das Häselei

Häselei, dieses kleine Waldstück weiter südlich von Sundhausen hat einen interessanten Namen, der gleich in mehereren, sehr unterschiedlichen Schreibweisen historisch erwähnt wird:

Häselich; Hasellaich, Häselleich, Hesselai, Häseley, Hasselhai

Woher dieser seltsam klingende Namen kommen mag, ist ungewiss. Hai oder Hay bedeutet soviel wie Gehau, Schlag (nach „Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste“, Zweite Section H-N, Leipzig 1827). Der Name könnte also ursprünglich Haselhai gewesen sein, eine größere Fläche, die ursprünglich mit Hasel(nuss)-Sträuchern oder -bäumen bewachsen war.

Alte Forstortsbezeichnungen namens Hasselhai gibt es noch im Harz bei Elbingerode und im Südharz als Haselei zwischen Leimbach und Steigerthal.

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Sitten, Bräuche und allerlei Schabernack

Viele Sitten und Bräuche, die früher durch Kirche und Vereine gepflegt wurden, sind im Laufe der Zeit verschwunden. Genannt seien da u.a. Erntedankfeste, Volksfeste, aber auch das lustige Altweibermühlenfest (siehe Menü „Feste und Feiern“). Bis in die heutige Zeit erhalten haben sich die jährlichen Osterfeuer und die Kirmes, die im Herbst mit dem traditionellem Kirmesumzug durchs Dorf gefeiert wird.

Lustige Streiche wurden auch frischgetrauten Hochzeitspaaren gespielt. Wenn sie nach der Trauungszeremonie in ihre Wohnung / ins Haus zurückkehrten, mussten sie sich oft auf allerlei Überraschungen gefasst machen: Ein auf den Schornstein oder Dachfirst gestellter Kinderwagen, versperrte Haustüren oder das Aushängen der Bettfederung des Ehebettes waren manchmal schon etwas derbe Scherze, über die nicht jeder immer lachen konnte.

Einem stark betrunkenen Stammgast, der zu nächtlicher Stunde in Schmidts Gasthaus noch was essen wollte, wurde mal ein in Wasser eingeweichter und gequollener, dann gewürzter, panierter und schön gebratener Papp-Bierdeckel als Schnitzel dargeboten. Gastwirt Schmidt war überhaupt ein pfiffiger Mann – wenn „Sperrstunde“ war (also offizielle Schließzeit der Gaststätte, meist um Mitternacht) und noch ein paar Gäste da waren, hat er diese ins Hinterzimmer aufs Sofa verfrachtet, wo sie noch weiterzechen konnten. Machte der Dorfpolizist dann seine Runde, brannte in der Gaststube vorn an der Straße kein Licht mehr und dem Gesetz war Genüge getan. Gingen die Schulkinder nachmittags nach der Schule ins Gasthaus, um eine leckere Fassbrause (Limo) zu trinken, mussten warten und nörgelten dann mit dem Wirt, erwiderte dieser trocken: „Jungs, ich warte jetzt schon ein paar Stunden hier, dass ihr aus der Schule zu mir kommt – da könnt ihr ruhig auch mal zehn Minuten auf mich warten.“

Beliebte Freizeitbeschäftigungen Sundhäuser Kinder und Jugendlichen waren in den 1960er bis 1980er Jahren das Herumstromern an der Helme, im Sommer das Baden am Wehr, Kirschen naschen in der Kirschplantage, „Buden“ und Gänge im Maisfeld bauen und im Winter Rodeln. An der „Blockstelle Bielen“, dem heute nicht mehr existenten Bahnwärterhäuschen am Bahnübergang der Betonstraße nach Bielen, wurden DDR-Pfennige (das Hartgeld war damals aus Aluminium) auf die Schienen gelegt und im Gebüsch gewartet, bis der Zug darüber gefahren war. Wer dann das größte platteste Geldstück hatte, war der Gewinner. Wenn der Bahnwärter schimpfend angelaufen kam, konnte man schnell wegrennen, er musste ja am Bahnwärterhäuschen bleiben.

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Gescheiterter Autohof

2010 wurden die Sundhäuser von der Stadt informiert, dass auf dem Feld südlich der Ortslage zwischen Zufahrtsstraße zur Kreuzung B 4, Autobahn und Riesleber Weg ein Autohof entstehen soll. Mit Lkw-Parkplätzen, Tankstelle, Erotik-Shop und Schnellgastronomie. Die Bedenken der Bürger wegen zu erwartenden Licht- und Lärmemissionen, Kriminalitätsgefahr und Lkw-Verkehr im Ort waren groß. Der Investor („Projektentwickler“) mit vollmundigen Versprechen erschien zweifelhaft.

Durch massive Proteste der Sundhäuser Einwohner gab es 2011 einen Stadtratsbeschluss in dem mit knapper Mehrheit der Bau des Autohofes abgelehnt wurde.

2023 wurde dann bei Werther in größerer Entfernung von der Ortslage durch einheimische Investoren ein Autohof gebaut.

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