Geschichten aus Sundhausen und über Sundhäuser - Sundhäuser Wein

Sundhäuser Wein

Weingarten 1952Ältere Sundhäuser kennen noch den „Weinberg“ oder „Weingarten“, der ca. 1 Kilometer südlich der Schweinemastanlage Uthleben beginnt und die geografische Bezeichnung „Zum Entental“ hat. Auch der „Weinkeller“, von dem nur noch ein paar spärliche, von dichtem Gestrüpp umrankte Mauerreste vorhanden sind, liegt dort. Geschichten über unterirdische Gänge dort dürften allerdings eher der Phantasie entsprungen sein.

Doch woher kommt nun der Name Weinberg? Ist das auch nur eine Legende?

Keinesfalls: Weitere Recherchen haben ergeben, dass es genau dort und auch sonst in unserer Region tatsächlich einmal intensiveren Weinanbau gegeben hat:

Für Garten- und Weinbau sind die Zisterziensermönche in Deutschland bekannt geworden. Die Stammklöster dieses Ordens lagen schließlich in den weinreichen Provinzen von Burgund und der Champagne. Fast jedes in Deutschland entstandene Kloster suchte sich dann in seinem Bereich günstige Hänge, um dort Weinberge anzulegen. Das Klima war damals in Mitteldeutschland milder und wärmer, als heutzutage.

Die Mönche des 1127 gegründeten Klosters Walkenried waren in unserer Gegend ursprünglich damit beschäftigt, die Sumpfgebiete in Helme- und Zorgeniederung allmählich trockenzulegen und dort Ackerbau zu ermöglichen (so entstand später daraus die „Goldene Aue“ mit ihren fruchtbaren Böden).

Wein galt in dieser Zeit als Volksgetränk. Er war wohlschmeckender und lagerfähiger, als Bier.

Die hügelige Landschaft der Umgebung schien das Gefallen der Mönche zu finden. An vielen Stellen begannen sie, Wein anzubauen.

Historisch belegt sind u.a. Weinberge bei Nordhausen (hier erinnern heute noch die Straßenamen „Am Weinberg“ und „Weinberghof“ an diese längst vergangene Zeit) und am Nord- und Südrand der Goldenen Aue. Die Bezeichnung „Weinberg“ ist auf alten Karten auch nördlich von Urbach und südöstlich von Uftrungen zu finden. Die Herren von Werther führten um 1200 sogar im Wappen einen mit Weinblättern besetzten Zweig.

Weingarten 2017Nun aber wieder zu „unserem“ oben schon angeführten Weinberg am Entental, an dessen Ende die Wüstung Bodenrode lag und die noch in alten Karten eingezeichnet ist:

Im Jahre 1188 erhielt das Kloster Walkenried vom Grafen Reinbodo von Beichlingen „17 Hufen Land mit Weinwachs zu Bodenrode in der güldenen Aue“.

In der „Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Alterthumskunde“ (8. Jahrgang 1875) ist zu lesen: „Das Kloster Walkenried besaß schon 1188 in der Nähe von Uthleben den Weinhof Bodenrode (vinea Botenroth 1193), welcher jedoch 1339 schon wieder als curia desolata Bothenrod bezeichnet wird.“ (Vinea = Weinberg, Weingarten; curia desolata = wüster, verfallener Ort, Siedlung)

1254 bestätigt Heinrich der Große dem Kloster Walkenried den Besitz der Bachläufe, welche zum Klosterhofe Beringe gehören und den Wald und die Ländereien, welche vor dem Klosterhofe Bodenrode (südlich von Uthleben) liegen. Auch eine Klostermühle soll es gegeben haben.

Graf Dietrich von Hohnstein hatte später Streit mit einem Abt des Klosters und ließ 1407 die Klosterhöfe „Berrungen, Berbisleben, Riedhoff und Bottenrote“ niederbrennen (Quelle: „Historische Beschreibung des Klosters Ilfeld“ von Joh. Georg Leuckfeld, 1717). Das dort benannte Jahr 1407 scheint allerdings im Widerspruch zur dem vorhin genannten von 1339 zu stehen, dies ließ sich anhand bislang vorliegender Informationen nicht eindeutig klären. Es ist also davon auszugehen, dass in der Zeitspanne 1339-1407 wahrscheinlich der Weinanbau zumindest in der Sundhäuser Flur endete. Aber auch in der ganzen Region war ein genereller Niedergang des Weinanbaus zu verzeichnen. Mit zunehmender Ertragssteigerung in der übrigen Landwirtschaft (Getreide, Kartoffeln) wurde der arbeitsintensive Weinbau immer unwirtschaftlicher, bis er schließlich ganz aufgegeben wurde. Bis zum 17. Jahrhundert änderte sich auch das Klima spürbar. Die Durchschnittstemperaturen sanken, es gab strengere Winter, die Erträge wurden immer unsicherer.

Geblieben sind vom historischen Weinanbau im Umfeld der Goldenen Aue nur noch einige alte Flurbezeichnungen. Manchmal sind an den ehemaligen Weinbergen noch Reste von Weinbauterrassen, Lesesteinwällen oder Trockenmauern zu erahnen. Auch wilder Wein, alte Obstbäume und Heckenpflanzen können an solchen Standorten Zeugen früheren Weinanbaus sein – die Weinberge waren damals nicht nur mit Weinstöcken bepflanzt. Die Bauern mussten ihren Lebensunterhalt bestreiten und hatten zwischen dem Wein oft auch Obstbäume stehen, Gemüse angebaut und als Windschutz Hecken angepflanzt. Linienförmige Strukturen heute noch bestehender Gehölze sind z.T. auf Luftbildern erkennbar.

Früher hießen die Weinbergarbeiter „Hecker“. Aus Sundhausen ist der alte Familiennamen „Heckerodt“ überliefert. Möglicherweise stammen diese Namen wie damals üblich aus den Berufen „Hecker“ und „roden“, weil ursprünglich vorhandene Waldflächen für den damaligen Weinbau erst gerodet werden mussten.

Ein paar hundert Jahre später gab es übrigens wieder Sundhäuser Wein, aber keinen Weinanbau:

In der weit über unseren Ort hinaus bekannten Mosterei Hoche in der Sondershäuser Straße konnte man bis in die 1990er Jahre Äpfel abgeben und dafür leckeren Apfelmost (Saft) oder Apfelwein bekommen. Im Volksmund wurde der Apfelwein augenzwinkernd auch „Kesselbergs Riesling“ genannt.

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