Geschichten aus Sundhausen und über Sundhäuser - Poststelle

Poststelle

Nordhausen besaß ab 1691 ein kaiserliches (Thurn- und Taxisches) Postamt. Eine Postzustellung in die Dörfer der Umgebung erfolgte damals vermutlich nur spontan und bei Bedarf. Von 1877-1878 erbaute die Reichspostverwaltung das Post- und Telegraphenamt am Königshof in Nordhausen. Mit allmählich steigendem Postaufkommen brachte dann ein Postbote einmal täglich anfallende Post von Nordhausen in die umliegenden Orte.
Am 11. Mai 1933 wurde Sundhausen eigenständiger Postort. Der alte Schneider Franke in der Wertherstraße wurde Posthalter; sein Sohn Friedrich, genannt „Fritze Franke“, wurde Postbote für Sundhausen und Steinbrücken. Kraftpostwagen aus Nordhausen brachten und holten zweimal täglich die Postsachen. Postbote Franke trug Briefsachen aus, leerte 2 Briefkästen und fuhr auch mit einem Postkarren Pakete aus. Die postalische Anschrift unseres Dorfes hieß nun „Sundhausen über Nordhausen“

Zwischen 1955 und 1965 gab es eine dürftig eingerichtete Poststelle in einer Scheune von Walter Schönemann. Der zugehörige Hof in der Rinnestraße wurde damals auch "Spittel" genannt.   Im Jahr 1965 übernahm Frau Ursula Paksa die Leitung der Post, und die Poststelle zog in die Sondershäuser Straße 45 um. Dort wurde auch der erste öffentliche Fernsprecher installiert, der jedoch nur eingeschränkt außerhalb der Geschäftszeiten genutzt werden konnte. Es gab nur einen Anschluss für beide Telefone, der je nach Bedarf umgeschaltet wurde.

Die Post war nicht nur für die Zustellung von Briefen, Paketen und Päckchen zuständig, sondern auch für die Auslieferung von Telegrammen und Zeitungen und auch das Lotto-Geschäft oblag der Post. Zu bestimmten Zeiten, wie z.B. abends um 19:00 Uhr, mussten Telegramme entgegengenommen und zugestellt werden. Oft waren desshalb die beiden Jungen der Familie noch am Abend mit dem Fahrrad unterwegs und freuten sich über 20 Pfennig Trinkgeld.

Telegramme waren damals teuer und wurden nach Anzahl der Wörter berechnet. Die Übermittlung erfolgte meist telefonisch, wobei der Kunde ein Formular mit Adressat und Text ausfüllte und es an den Postangestellten übergab. Dieser rief dann die Telegrammannahme an und übermittelte den Text. Unübliche Wörter oder Abkürzungen mussten buchstabiert werden. Von der Telegrammstelle wurde der Text dann per Fernschreiber, zum Beispiel ins Ausland oder zur Poststelle des Empfängers, übermittelt. Bei der Annahme wurde der Text wieder in ein Formblatt eingetragen, in ein Kuvert gesteckt und per Boten zum Empfänger gebracht.

Einmal machten Studenten einen Jux und schickten ihrem Kommilitonen der in unserem Dorf bei seiner Familie feierte, ein Glückwunschtelegramm auf Latein. Der Sinn des Textes war kaum noch zu erahnen.

Täglich kam gegen 10:00 Uhr das Postauto, um Pakete, Päckchen, Briefe und Zeitungen zu liefern und die abgehende Post mitzunehmen. Es ist kaum zu glauben, aber bis in die 1960er Jahre hatten die Postautos ein verlängertes Fahrerhaus und waren somit auch für Personentransport geeignet. Da Sundhausen die letzte Station auf der Tour war, konnte man so recht schnell nach Nordhausen gelangen. Personen, die in anderen Dörfern zustiegen, mussten die restliche Ausliefertour mitfahren. Mit der Umstellung auf modernere Fahrzeuge war dies später nicht mehr möglich.

Gemeindehaus in dem ab den 1970er die Poststelle untergebracht war.Ende der 1960er Jahre zog die Poststelle auf den Beckerschen Hof um. So manches Hochwasser legte hier den normalen Betrieb lahm. Später wurde die Poststelle im Gemeindehaus untergebracht. Ab 1973 übernahm Frau Ursula Schönemann die Leitung der Poststelle.

Mit Einigungsvertrag 1990 wurde die Deutsche Post der DDR in die Deutsche Bundespost in deren jeweilige Teilunternehmen Postdienst, Postbank und Telekom eingegliedert. Die Poststelle im Gemeindeamt wurde geschlossen. Die Bargeldauszahlung der Renten durch die Post wurde eingestellt, diese wurden nur noch überwiesen. Es gab eine sogenannte Postagentur in der Giekersgasse, wo durch Fam. Körner ein kleines Ladengeschäft eröffnet wurde. Wenig später war die Postagentur dann im Scheunenhof untergebracht. Zum Telefonieren wurde damals eine Telefonzelle an der Ecke Sondershäuser Straße / Rodegasse aufgestellt, die heute auch schon lange Geschichte ist. Damals gab es noch keine Mobiltelefone und Festnetzanschlüsse wurden erst nach und nach weiter eingerichtet.
Mit Schließung der Geschäfte im Scheunenhof verschwand auch die Postagentur. Heute wird die Post von Postboten mit Autos im Ort ausgefahren. Pakete werden durch die Post oder durch private Paketdienste ausgeliefert.

Sonderstempel 1000 Jahre SundhausenDie DDR führte 1964 ein modernes, vierstelliges Postleitzahlsystem ein, Sundhausen bekam die PLZ 5501, im internationalen Verkehr O-5501 geschrieben.
Am 1. Juli 1993 wurde das jetzige fünfstellige PLZ-System in der Bundesrepublik Deutschland eingeführt. Unser Ort war ab diesem Zeitpunkt postalisch unter 99735 Sundhausen zu erreichen. Mit Eingemeindung nach Nordhausen änderte sich die Postanschrift auf 99734 Nordhausen.

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