Sitten, Bräuche und allerlei Schabernack
Viele Sitten und Bräuche, die früher durch Kirche und Vereine gepflegt wurden, sind im Laufe der Zeit verschwunden. Genannt seien da u.a. Erntedankfeste, Volksfeste, aber auch das lustige Altweibermühlenfest (siehe Menü „Feste und Feiern“). Bis in die heutige Zeit erhalten haben sich die jährlichen Osterfeuer und die Kirmes, die im Herbst mit dem traditionellem Kirmesumzug durchs Dorf gefeiert wird.
Lustige Streiche wurden auch frischgetrauten Hochzeitspaaren gespielt. Wenn sie nach der Trauungszeremonie in ihre Wohnung / ins Haus zurückkehrten, mussten sie sich oft auf allerlei Überraschungen gefasst machen: Ein auf den Schornstein oder Dachfirst gestellter Kinderwagen, versperrte Haustüren oder das Aushängen der Bettfederung des Ehebettes waren manchmal schon etwas derbe Scherze, über die nicht jeder immer lachen konnte.
Einem stark betrunkenen Stammgast, der zu nächtlicher Stunde in Schmidts Gasthaus noch was essen wollte, wurde mal ein in Wasser eingeweichter und gequollener, dann gewürzter, panierter und schön gebratener Papp-Bierdeckel als Schnitzel dargeboten. Gastwirt Schmidt war überhaupt ein pfiffiger Mann – wenn „Sperrstunde“ war (also offizielle Schließzeit der Gaststätte, meist um Mitternacht) und noch ein paar Gäste da waren, hat er diese ins Hinterzimmer aufs Sofa verfrachtet, wo sie noch weiterzechen konnten. Machte der Dorfpolizist dann seine Runde, brannte in der Gaststube vorn an der Straße kein Licht mehr und dem Gesetz war Genüge getan. Gingen die Schulkinder nachmittags nach der Schule ins Gasthaus, um eine leckere Fassbrause (Limo) zu trinken, mussten warten und nörgelten dann mit dem Wirt, erwiderte dieser trocken: „Jungs, ich warte jetzt schon ein paar Stunden hier, dass ihr aus der Schule zu mir kommt – da könnt ihr ruhig auch mal zehn Minuten auf mich warten.“
Beliebte Freizeitbeschäftigungen Sundhäuser Kinder und Jugendlichen waren in den 1960er bis 1980er Jahren das Herumstromern an der Helme, im Sommer das Baden am Wehr, Kirschen naschen in der Kirschplantage, „Buden“ und Gänge im Maisfeld bauen und im Winter Rodeln. An der „Blockstelle Bielen“, dem heute nicht mehr existenten Bahnwärterhäuschen am Bahnübergang der Betonstraße nach Bielen, wurden DDR-Pfennige (das Hartgeld war damals aus Aluminium) auf die Schienen gelegt und im Gebüsch gewartet, bis der Zug darüber gefahren war. Wer dann das größte platteste Geldstück hatte, war der Gewinner. Wenn der Bahnwärter schimpfend angelaufen kam, konnte man schnell wegrennen, er musste ja am Bahnwärterhäuschen bleiben.
***