1. Wissenswertes
In den 1960er und 70er Jahren erlebten Einzelhandel und Gewerbe in Sundhausen eine Blütezeit. Die Einwohnerzahl wuchs stetig.
Neue Einfamilienhäuser, so u.a. in der Friedensstraße, wurden errichtet.
Trotz oft schwieriger Materialbeschaffung wurden bestehende Wohnhäuser mit viel Eigenleistung modernisiert, z.B. durch Einbau von Innen-WC und Bad, Schwerkraftheizung und anderer Annehmlichkeiten, die damals noch gar nicht so selbstverständlich wie heute waren.
In der Friedensstraße und in der Uthleber Straße wurden Wohnblocks errichtet, die vorwiegend für Arbeiter der nahe gelegenen Kieswerke und deren Familien genutzt wurden.
Der private Kfz-Bestand stieg langsam an, viele Sundhäuser bauten Nebengebäude in Garagen um oder errichteten solche neu.
Die Verkaufsstellen (später die Kaufhalle), die Poststelle im Gemeindehaus, das Gemeindeamt („Rat der Gemeinde“) sowie die immer gut besuchten Gaststätten „Treffpunkt“ und „Schmidt“ waren zugleich wichtige Orte der Kommunikation. Hier traf man immer andere Leute aus dem Ort, konnte ein Schwätzchen halten und den neuesten Dorfklatsch erfahren. Das Glas Bier kostete übrigens 48 Pfennig.
Im Gemeindehaus befand sich eine kleine Bibliothek, die von einem pensionierten Lehrer ehrenamtlich betrieben wurde. Später wurde in diesem Raum ein Friseursalon eingerichtet.
Vielen Sundhäusern ist der Dorffunk im Gedächtnis geblieben. Im Gemeindeamt gab es eine Verstärkeranlage mit Plattenspieler, Radio und Mikrofon, in fast jeder Straße waren an Masten ein oder zwei zugehörige Lautsprecher aufgestellt. Nach kurzer Musik vom Plattenspieler wurden mit den einleitenden Worten „Achtung, Achtung, ich gebe eine Durchsage ...“ je nach Bedarf damit wichtige Informationen im Dorf verbreitet.
Im Saal der Gaststätte Treffpunkt fanden regelmäßige Kinovorführungen statt. Für 50 Pfennig konnte man einen Film sehen und danach gemütlich ein Bierchen trinken, ohne ins Nordhäuser Kino fahren zu müssen.
Es gab eine „Sammelstelle“ für den Ankauf von Obst und Gemüse, später erfolgte das auch in der Konsum-Kaufhalle. Viele Sundhäuser ernteten mehr Obst und Gemüse, als sie verbrauchten und so konnte man solches verkaufen. Die Stadtbevölkerung hatte damit regionale und saisonale Frischware ohne größere Transportwege. Die Ankaufpreise waren oft staatlich subventioniert. Einige gewiefte Sundhäuser verkauften ihr Obst oder Gemüse an die Kaufhalle und kauften kurz darauf drinnen für weniger Geld einen Teil zum Eigenverbrauch zurück.
Auch private Tierhaltung war weit verbreitet. Hühner, Kaninchen, Enten, Gänse oder hier und da ein oder zwei Schweine wurden zur Eigenversorgung gehalten. Was man selbst nicht benötigte, wurde verkauft.
Ebenfalls interessant aus heutiger Sicht war die SERO-Annahmestelle (SERO = Sekundärrohstoffe).
Dort konnte man gebündeltes Altpapier, Flaschen, Gläser und „Lumpen“ (Alttextilien) abgeben und bekam eine Vergütung dafür. Viele Kinder und manch Erwachsene haben sich damit ihr Taschengeld aufgebessert. Nebenbei wurden dadurch Rohstoffe gespart und die Umwelt geschont.
2. Handel und Gewerbe in Sundhausen
Es gab damals eine Konsum-Verkaufsstelle für Lebensmittel und andere kleine Dinge des Alltags in der Neuen Straße und ein HO-Textilwarengeschäft in der Sondershäuser Straße. Aus der ehemaligen Bäckerei Benkstein in der früheren Hauptstraße (jetzt Rinnestraße) wurde ebenfalls eine Konsum-Verkaufsstelle.
Bei Einkäufen im Konsum konnte man "Konsummarken" bekommen. Das waren kleine Rabattmarken der Konsumgenossenschaften, mit denen Mitglieder eine Rückvergütung auf ihre Einkäufe bekamen. Dieses System wurde 1954 in der DDR eingeführt und bestand noch bis 1990/91. Wer ein Rabattheft hatte und im „Dorfkonsum“ oder einer Konsum-Kaufhalle einkaufte, erhielt in Höhe des Einkaufs entsprechende Marken, die in das Heft eingeklebt wurden. Am Jahresende konnte man die Hefte bei den Verkaufsstellen einreichen und eine Rückvergütung in Höhe von rund 1,8 Prozent des getätigten Jahresumsatzes erhalten.
Das Einkaufen damals war oft etwas abenteuerlich und kann nicht mit heutigen Maßstäben gemessen werden.
Die Milch wurde „lose“ in 20-Liter-Milchkannen aus Aluminium mit Gummideckel von der Molkerei angeliefert. In den Konsum-Verkaufsstellen konnte man sie sich mit eigenen, kleineren Milchkannen (Aluminium, mit Deckel und Henkel) literweise abholen.
Im Sommer konnte es durchaus geschehen, dass sich ein paar Fliegen an der Milch in den Kannen labten, ertranken und erst einmal abgeschöpft werden mussten. Das Einkaufen musste schon genau geplant werden, denn die Milch war tatsächlich echte Frischmilch und somit nicht lange haltbar. Später – ab ca. 1970 – gab es dann Milch in Glasflaschen (Pfandflaschen) mit Deckel aus dünner Aluminiumfolie zu kaufen, die Milchkannen verschwanden allmählich.
Auch das private Handwerk und Gewerbe konnte sich in Sundhausen gut behaupten:
Es gab die Schneiderei Eilhardt in der Sondershäuser Straße und die Fleischerei Schuchardt, später Ströhl, in der Hauptstraße (jetzige Rinnestraße).
Die Mosterei Hoche in der Sondershäuser Straße war weit über die Grenzen des Ortes bekannt. Nicht nur durch den Apfelmost - viele Sundhäuser ließen die Äpfel aus ihren Gärten hier verarbeiten. Sondern auch wegen des leckeren Apfelweins, im Volksmund liebevoll „Kesselberg´s Riesling“ genannt.
In der Wertherstraße hatte die Familie Krummel ihre Werkstatt und ein Ladengeschäft für Kunsthandwerk. Viele dort entstandene Holzarbeiten zieren heute noch die Wohnungen der Sundhäuser. Die Malermeister Kellner und Machatzke sowie der Dachdecker Hake hatten immer alle Hände voll zu tun.
Die Gärtnerei Ibold war über die Ortsgrenzen hinweg bekannt. In der Riesleber Straße wurde in den 80er Jahren von Fam. Hahn eine kleine Motorradwerkstatt eröffnet.
Sundhausen hatte eine eigene Poststelle. Nach langer Zeit im Erdgeschoss des Wohnhauses der Fam. Paksa in der Sondershäuser Straße (neben Kochs Gang) wurde die Post dann ins Gemeindehaus verlegt. Man konnte dort telefonieren, Postkarten (5 Pfennige), Briefe (20 Pfennige), Päckchen, Pakete und sogar Telegramme aufgeben. Zeitungen und Post wurden von den Zustellerinnen zu Fuß bzw. mit dem Fahrrad ausgetragen bzw. –gefahren, auch die wenigen Päckchen und Pakete wurde so meist gleich mit zugestellt. Nur bei größerem Paketaufkommen, z.B. vor Weihnachten, musste man sich diese dann in der Poststelle abholen.
Mit dem Bau der „Konsum“-Kaufhalle in der Rinnestraße verschwand der überwiegende Teil der kleinen Einzelhandelsläden, die Fleischerei Ströhl wurde geschlossen. Die bisherigen Inhaber / Verkäuferinnen wurden vom Konsum übernommen und arbeiteten dann in der neuen Kaufhalle. Hier gab es Lebensmittel, Backwaren, Fleisch, Getränke und andere sogenannte „Waren des täglichen Bedarfs“ unter einem Dach. Geräumige Regale, Kühltruhen und für die damalige Zeit moderne Kassen brachten mehr Übersichtlichkeit für die Kunden und bessere Arbeitsbedingungen für die Verkäuferinnen mit sich. Dennoch musste man seine Einkäufe gut planen und meist auf mehrere Wochentage und Uhrzeiten verteilen. Fleisch und Getränke wurden nicht jeden Tag angeliefert, spätnachmittags konnten schon mal die Milch oder das Bier ausverkauft sein.
Die Bäckerei Hoppe/Reiche in der Sondershäuser Straße wurde geschlossen. Die Bäckerei Sievert, ebenfalls in der Sondershäuser Straße / Ecke Rodegasse, war dann die einzige Bäckerei im Ort. Daneben gab es in der neuen Kaufhalle ebenfalls Backwaren aus Nordhausen – die „Konsumbrote“ und „Konsumbrötchen“ tauchten neu im Wortschatz der Sundhäuser auf, angelehnt an deren Herkunft aus der Konsum-Bäckerei in Nordhausen.
3. Helme
Die Helme war, aus Richtung Nordhausen kommend, ursprünglich ein langsam fließender, recht tiefer Fluss mit vielen Biegungen. Dort konnte man prima mit selbstgebauten Flößen oder Booten herumschippern. Am nordwestlichen Ortsende befand sich ein Wehr, welches mit flacherem Wasser, Kiesinseln und Liegewiese im Sommer gern als Badestelle genutzt wurde. Am Wehr zweigte der Mühlgraben ab, der am Gasthaus zur Helme (heute Seniorenheim) vorbei zur Mühle (gegenüber dem jetzigen Feuerwehrstandort) führte und vor dem Gasthaus Angelstein / Treffpunkt dann wieder zurück in die Helme mündete.
Ein durchdachtes System von Hohlwegen und Flutbrücken konnte Hochwasser um dem Ort herum über die Felder leiten. Dennoch kam es in der Zeit der Schneeschmelze oder bei längerem Starkregen manchmal zu Überschwemmungen. Besonders betroffen waren dann meist die Anwohner der Rinne- und Hauptstraße sowie am Kirchplatz. Zirka 1972 wurde daraufhin eine Helmeregulierung durchgeführt. Das Wehr verschwand, der Mühlgraben wurde zugeschüttet, Flussbiegungen wurden begradigt. An der Rinnestraße wurde in Höhe der Gaststätte „Treffpunkt“ eine Hochwasserschutzmauer errichtet. Die Fließgeschwindigkeit der Helme erhöhte sich. Die Überschwemmungsgefahr wurde geringer, war damit aber noch nicht endgültig gebannt.
4. Landwirtschaft
Aus dem Gutshof, einem früheren Rittergut, wurde zu DDR-Zeit ein VEG (volkseigenes Gut). Mit umfangreichem Fuhrpark und landwirtschaftlichen Maschinen konnten große Ackerflächen bewirtschaftet werden. Trotzdem gab es noch viel manuelle Arbeit, z.B. bei der Kartoffelernte.
Aus dem VEG ging die Ausbildungsstätte Sundhausen der LPG(P) Bielen hervor. Hier wurden Lehrlinge für landwirtschaftliche Berufe ausgebildet. Ein kleines Wohnheim und Büro wurden in den Gebäuden eingerichtet. Die Küche versorgte nicht nur die Arbeiter und Lehrlinge; hier wurde auch das Essen für die Sundhäuser Schule gekocht und dorthin geliefert.
In der Sondershäuser Straße entstand ein volkseigener Saatzuchtbetrieb, der ab 1990 als Saatenhof in privater Hand war.
5. Kieswerke
In Nordhausen und Umgebung gab es bereits vor dem 2. Weltkrieg kleinere private Firmen, die Kies abbauten. 1954 wurden zwei bereits verstaatlichte Betriebe zum VEB Kieswerke Nordhausen zusammengeschlossen. Im Bereich zwischen Nordhausen, Bielen, Uthleben und Sundhausen befanden und befinden sich große Kieslagerstätten, die bereits wenige Meter unter der Erdoberfläche beginnen. Die Kiesgewinnung erfolgte aus dem Grundwasserbereich bis zu einer Tiefe von 45 Metern. Die Fördermengen konnten durch immer größere Maschinen und Bandanlagen stetig erhöht werden. Mit fortschreitendem Kiesabbau rückten die Kiesteiche immer weiter auch an unser Dorf heran.
Die Kieswerke unterstützten den Ort Sundhausen in vielen Bereichen, so z.B. beim Wegebau, beim Eigenheimbau in der südlichen Friedensstraße, beim Erweiterungsbau des Kindergartens und beim Winterdienst. Der Betrieb war Trägerbetrieb der LSG Aufbau und half den Sportlern beim Bau des Sportlerheims am Sportplatz.
6. Infrastruktur
1965 wurde die Sondershäuser Straße ausgebaut (Granitpflaster, Fußwege mit Gehwegplatten, moderne Straßenbeleuchtung). Ab Einmündung jetzige Wehrstraße erfolgte bis zur jetzigen Kreuzung B4/Gewerbegebiet bzw. Uthleber Straße ein Straßenneubau mit 3 Brückenbauwerken (Helmebrücke, Brücke über den damaligen Mühlgraben, Flutbrücke an der Kleingartenanlage / Kesselweg). Die Straße durch den Ort wurde als „Schnellstraße“ deklariert, was einer erlaubten Geschwindigkeit von 60 km/h entsprach. Durch diese teilweise „Ortsumgehung“ wurden die Anwohner der „alten“ Sondershäuser Straße (zwischen Uthleber Straße und Einmündung Wehrstraße) deutlich von Verkehr und Lärm entlastet. Der Garten der Gaststätte Schmidt und der damalige Sportplatz am Jugendheim wurden durch den Straßenbau allerdings deutlich verkleinert.
Weitere Straßenausbaumaßnahmen gab es in den 1980er Jahren, so u.a. in der Friedensstraße und – nach einer „Staatsratseingabe“ – in der Rudolf-Breitscheid-Straße (jetzige Wehrstraße).
Durch die Buslinien Nordhausen-Sundhausen-Uthleben-Heringen-Auleben und Nordhausen-Sundhausen-Steinbrücken-Hain war unser Ort gut an die Stadt angebunden. Busfahrscheine waren preiswert. Die Abfahrtszeiten waren an die gängigen Normal- und Schichtarbeitszeiten der volkseigenen Betriebe gut angepasst. Viele Sundhäuser hatten rabattierte Monatskarten und fuhren täglich mit dem Bus zur Arbeit nach Nordhausen. Nach der Arbeit wurden die zurückgekehrten Gruppen vor den beiden Gaststätten meist deutlich kleiner – dieser oder jener gönnte sich nach einem anstrengenden Tag dort gleich ein „Feierabendbier“.
Ende der 1980er Jahre gab es dann konkrete Planungen für einen Straßenneubau am „Hainer Berg“ (jetzt „Sundhäuser Berge“). Die kurvenreiche B4 zwischen den Abzweigen Steinbrücken und Hain barg ein erhöhtes Unfallrisiko, es gab keine Überholmöglichkeiten und bei Schnee oder Eisglätte standen oft Lkw quer. Die neue Straße sollte ab Ortsausgang Sundhausen über den „Milchweg“ (Feldweg, südliche Verlängerung der Riesleber Straße), am Buttergraben vorbei und schließlich an der Einmündung zur Kreismülldeponie wieder auf die B4 führen. Im Kreisarchiv sind dazu noch teilweise Unterlagen zu finden. Nach dem Beitritt zur BRD 1990 wurden die Planungen verworfen, später wurden mit immer weiter zunehmendem Verkehr und steigenden Unfallzahlen wieder Forderungen nach einer Entschärfung der kurvenreichen Strecke laut.
7. Schule
(Erinnerungen von U. Waldheim)
Von 1970-1980 besuchte ich die Schule in Sundhausen. Der Unterricht der Klassen 1 bis 4 fand im ehemaligen „Jugendheim“ am Kesselweg (jetzt Sitz der DRK-Rettungswache) statt. Dort befanden sich auch Horträume, in denen die Schüler bei Bedarf nach dem Unterricht betreut wurden. Die Lehrerfamilien Liebermann und Hering wohnten im Dachgeschoss des Jugendheims. Die Klassenräume hatten damals noch Ofenheizung. Ein Schüler hatte im Winter immer „Ofendienst“ und war für Kohlen holen, Heizen und Asche entsorgen zuständig. Die wenigen Schüler aus dem kleinen Nachbarort Steinbrücken gingen gemeinsam mit uns in Sundhausen zur Schule.
Der Schulunterricht ab Klassenstufe 5 fand im alten Schulgebäude in der Schulstraße statt. Zusätzlich wurde zeitweise noch der Kulturraum des VEG in der Uthleber Straße für den Unterricht genutzt. Dort war ein Klassenraum eingerichtet, die Lehrer mussten somit in den Pausen immer zwischen Uthleber Straße und der Schule wechseln. Das brachte natürlich mit sich, dass wir Schüler dann zeitweilig ohne Aufsicht waren und allerlei Streiche verüben konnten. Einmal versteckten wir uns alle gemeinsam auf der Mädchentoilette. Als der Russischlehrer eintraf, war der Klassenraum leer, es war kein Schüler weit und breit zu sehen. Es dauerte ein Weilchen, ehe er uns in unserem Versteck fand. So war die Unterrichtsstunde für uns dann etwas kürzer.
Der Sportunterricht fand im Sommer und bei gutem Wetter auf dem Sportplatz statt. Im Winter oder bei schlechtem Wetter wurde der Saal der Gaststätte „Treffpunkt“ (ehemals Angelstein) oder der Saal der Gaststätte Schmidt genutzt.
Ab 1976 fand der Unterricht für alle Klassenstufen nur noch in der Schulstraße statt. Die alte Schule war durch einen großen, modernen Anbau mit neuen Klassenräumen, Fachräumen für Physik, Biologie und Chemie und großem Speiseraum im Keller erweitert worden. Auch Sekretariat, Lehrerzimmer und Toiletten waren auf modernstem Stand der damaligen Zeit.
Das preiswerte Mittagessen wurde im VEG Sundhausen gekocht, in Thermobehältern zur Schule gefahren und dort ausgegeben, so dass jeder Schüler ein warmes und preiswertes Essen erhalten konnte.
Neben der Schule entstanden das zugehörige Heizhaus (zentrale Warmwasserheizung mit Kohlenbefeuerung), eine moderne Turnhalle mit Umkleideräumen und sanitären Einrichtungen sowie ein Schulgarten.
Nun wurden zusätzlich die Schüler aus Uthleben und Bielen bei uns in Sundhausen unterrichtet. Neue Lehrer kamen aus diesen Orten und aus Nordhausen hinzu. Die Klassen wurden mehrfach aufgeteilt, was oft zu Verdruss führte. Als aus anfangs drei Parallelklassen zwei wurden, führte das u.a. dazu, dass in einer Klasse 32 Schüler, aber nur 30 Sitzplätze pro Klassenraum vorhanden waren. Das gab dann manchmal Streit und Rangeleien - wer übrig blieb, musste sich erst einen Stuhl aus einem anderen Raum besorgen. Diese etwas unglückliche Aufteilung wurde später wieder rückgängig gemacht, wodurch die Schülerzahl pro Klasse wieder auf ein auch für die Lehrer erträgliches Maß von ca. je 20 Schülern sank. Die Schule bekam den Namen POS „Erich Weinert“. Das Kürzel „POS“ bezeichnete die zehnklassige Polytechnische Oberschule. Erich Weinert (* 4. August 1890 in Magdeburg ; † 20. April 1953 in Berlin ) war ein deutscher Schriftsteller und ab 1943 Präsident des Nationalkomitees Freies Deutschland .
Neben Deutsch, Heimatkunde (bis 4.Klasse) bzw. Geographie (ab 5. Klasse), Geschichte, den naturwissenschaftlichen Fächern wie Mathematik, Physik, Biologie und Chemie, gab es weiterhin Unterricht in Zeichnen, Sport, Musik und Staatsbürgerkunde. Daneben wurden wir in 2 Fremdsprachen unterrichtet: Russisch ab 6. Klasse sowie wahlweise Englisch oder Französisch ab 8. Klasse. Es gab aber auch zeitweise die Unterrichtsfächer Astronomie, Handarbeit und Schulgarten, die nur in ein oder zwei Klassenstufen unterrichtet wurden.
Interessant waren auch die sogenannten „Kopfnoten“: Hier wurden Fleiß, Mitarbeit, Ordnung und Betragen bewertet und benotet.
In den späten 80ern kam der Wehrkundeunterricht dazu, der nur stundenweise mit 8 Doppelstunden pro Jahr ab 8. Klasse für die Jungs abgehalten wurde und zur Nachwuchsgewinnung für spätere Berufssoldaten der NVA dienen sollte. Lehrkräfte waren externe aktive oder ehemalige Offiziere, Schulnoten gab es dafür nicht. Die Mädchen hatten in dieser Zeit Unterricht in Zivilverteidigung, u.a. erste Hilfe usw. Der Wehrkundeunterricht war allerdings aus Schülersicht meist recht unbeliebt.
Zur Vorbereitung auf die spätere Berufsausbildung gab es in den oberen Klassen die Unterrichtsfächer ESP („Einführung in die sozialistische Produktion“), gekoppelt mit TZ („Technisches Zeichnen“) und PA („Produktive Arbeit“). Dieser praxisnahe Unterricht fand im Betonwerk Heringen statt. Der Transfer von der Schule zum Betonwerk und zurück erfolgte mit Bussen. PA war aber nicht immer so beliebt. Manchmal „durfte“ man stundenlang Metallteile feilen oder im Produktionsbereich stählerne Bewehrungsmatten mit Zange und Bindedraht zusammenflechten. Dennoch war dies eine recht sinnvolle Ergänzung des normalen Schulunterrichts. Wir konnten uns neben theoretischem Wissen viele handwerkliche Fähigkeiten und Fertigkeiten aneignen, die sich später im Beruf oder Privatleben als nützlich erwiesen.
Ab Klassenstufe 9 konnten gute Schüler nach Nordhausen an die EOS wechseln (EOS = Erweiterte Oberschule, 9.-12. Klassen, Abschluss mit Abitur).
8. Kinderbetreuung
Ein Kindergarten existierte bereits vor dem Krieg und war zunächst in einem kleinen Fachwerkhaus gegenüber dem Gemeindehaus am Kirchplatz untergebracht. Mit dem Anwachsen der Einwohnerzahl stieg auch die Zahl der Kinder im Ort. In der Zeit der DDR waren zudem oft beide Elternteile berufstätig, wodurch die Nachfrage nach Betreuungseinrichtungen stieg. Daraufhin wurde der Kindergarten an seinem heutigen Standort in der Wertherstraße eingerichtet. Anfangs genügte dafür eine Baracke, die in den frühen 1960er Jahren erweitert werden musste. In den 1970er Jahren wurden weitere An- und Umbauten durchgeführt, und die letzten Baracken wurden durch einen massiven Bau mit Zentralheizung ersetzt. Im Laufe der Zeit wurde auch die Freifläche vergrößert. Die früher als "Gänsewiese" bekannte Fläche zwischen Wertherstraße und Helme, vom Trafohaus bis zum alten Kindergarten, wurde dem Kindergarten zugeschlagen.
Durch die Erweiterung der Schule in den 1970er Jahren entfielen die Unterstufenklassen im Jugendheim, wodurch dort Platz für eine Kinderkrippe geschaffen wurde.