Ortsgeschichte 1965 bis 1989 - 1. Wissenswertes

1. Wissenswertes 

In den 1960er und 70er Jahren erlebten Einzelhandel und Gewerbe in Sundhausen eine Blütezeit. Die Einwohnerzahl wuchs stetig.

Neue Einfamilienhäuser, so u.a. in der Friedensstraße, wurden errichtet.

Trotz oft schwieriger Materialbeschaffung wurden bestehende Wohnhäuser mit viel Eigenleistung modernisiert, z.B. durch Einbau von Innen-WC und Bad, Schwerkraftheizung und anderer Annehmlichkeiten, die damals noch gar nicht so selbstverständlich wie heute waren.

In der Friedensstraße und in der Uthleber Straße wurden Wohnblocks errichtet, die vorwiegend für Arbeiter der nahe gelegenen Kieswerke und deren Familien genutzt wurden.

Der private Kfz-Bestand stieg langsam an, viele Sundhäuser bauten Nebengebäude in Garagen um oder errichteten solche neu.

Die Verkaufsstellen (später die Kaufhalle), die Poststelle im Gemeindehaus, das Gemeindeamt („Rat der Gemeinde“) sowie die immer gut besuchten Gaststätten „Treffpunkt“ und „Schmidt“ waren zugleich wichtige Orte der Kommunikation. Hier traf man immer andere Leute aus dem Ort, konnte ein Schwätzchen halten und den neuesten Dorfklatsch erfahren. Das Glas Bier kostete übrigens 48 Pfennig.

Im Gemeindehaus befand sich eine kleine Bibliothek, die von einem pensionierten Lehrer ehrenamtlich betrieben wurde. Später wurde in diesem Raum ein Friseursalon eingerichtet.

Vielen Sundhäusern ist der Dorffunk im Gedächtnis geblieben. Im Gemeindeamt gab es eine Verstärkeranlage mit Plattenspieler, Radio und Mikrofon, in fast jeder Straße waren an Masten ein oder zwei zugehörige Lautsprecher aufgestellt. Nach kurzer Musik vom Plattenspieler wurden mit den einleitenden Worten „Achtung, Achtung, ich gebe eine Durchsage ...“ je nach Bedarf damit wichtige Informationen im Dorf verbreitet. 

Im Saal der Gaststätte Treffpunkt fanden regelmäßige Kinovorführungen statt. Für 50 Pfennig konnte man einen Film sehen und danach gemütlich ein Bierchen trinken, ohne ins Nordhäuser Kino fahren zu müssen.

Es gab eine „Sammelstelle“ für den Ankauf von Obst und Gemüse, später erfolgte das auch in der Konsum-Kaufhalle. Viele Sundhäuser ernteten mehr Obst und Gemüse, als sie verbrauchten und so konnte man solches verkaufen. Die Stadtbevölkerung hatte damit regionale und saisonale Frischware ohne größere Transportwege. Die Ankaufpreise waren oft staatlich subventioniert. Einige gewiefte Sundhäuser verkauften ihr Obst oder Gemüse an die Kaufhalle und kauften kurz darauf drinnen für weniger Geld einen Teil zum Eigenverbrauch zurück.

Auch private Tierhaltung war weit verbreitet. Hühner, Kaninchen, Enten, Gänse oder hier und da ein oder zwei Schweine wurden zur Eigenversorgung gehalten. Was man selbst nicht benötigte, wurde verkauft.

Ebenfalls interessant aus heutiger Sicht war die SERO-Annahmestelle (SERO = Sekundärrohstoffe).

Dort konnte man gebündeltes Altpapier, Flaschen, Gläser und „Lumpen“ (Alttextilien) abgeben und bekam eine Vergütung dafür. Viele Kinder und manch Erwachsene haben sich damit ihr Taschengeld aufgebessert. Nebenbei wurden dadurch Rohstoffe gespart und die Umwelt geschont.