Ortsgeschichte 1965 bis 1989 - 2. Handel und Gewerbe in Sundhausen

2. Handel und Gewerbe in Sundhausen

Es gab damals eine Konsum-Verkaufsstelle für Lebensmittel und andere kleine Dinge des Alltags in der Neuen Straße und ein HO-Textilwarengeschäft in der Sondershäuser Straße. Aus der ehemaligen Bäckerei Benkstein in der früheren Hauptstraße (jetzt Rinnestraße) wurde ebenfalls eine Konsum-Verkaufsstelle.
Bei Einkäufen im Konsum konnte man "Konsummarken" bekommen. Das waren kleine Rabattmarken der Konsumgenossenschaften, mit denen Mitglieder eine Rückvergütung auf ihre Einkäufe bekamen. Dieses System wurde 1954 in der DDR eingeführt und bestand noch bis 1990/91. Wer ein Rabattheft hatte und im „Dorfkonsum“ oder einer Konsum-Kaufhalle einkaufte, erhielt in Höhe des Einkaufs entsprechende Marken, die in das Heft eingeklebt wurden. Am Jahresende konnte man die Hefte bei den Verkaufsstellen einreichen und eine Rückvergütung in Höhe von rund 1,8 Prozent des getätigten Jahresumsatzes erhalten.

Das Einkaufen damals war oft etwas abenteuerlich und kann nicht mit heutigen Maßstäben gemessen werden.

MilchkannenDie Milch wurde „lose“ in 20-Liter-Milchkannen aus Aluminium mit Gummideckel von der Molkerei angeliefert. In den Konsum-Verkaufsstellen konnte man sie sich mit eigenen, kleineren Milchkannen (Aluminium, mit Deckel und Henkel) literweise abholen.

Im Sommer konnte es durchaus geschehen, dass sich ein paar Fliegen an der Milch in den Kannen labten, ertranken und erst einmal abgeschöpft werden mussten. Das Einkaufen musste schon genau geplant werden, denn die Milch war tatsächlich echte Frischmilch und somit nicht lange haltbar. Später – ab ca. 1970 – gab es dann Milch in Glasflaschen (Pfandflaschen) mit Deckel aus dünner Aluminiumfolie zu kaufen, die Milchkannen verschwanden allmählich.

Auch das private Handwerk und Gewerbe konnte sich in Sundhausen gut behaupten:

Es gab die Schneiderei Eilhardt in der Sondershäuser Straße und die Fleischerei Schuchardt, später Ströhl, in der Hauptstraße (jetzige Rinnestraße).

Die Mosterei Hoche in der Sondershäuser Straße war weit über die Grenzen des Ortes bekannt. Nicht nur durch den Apfelmost - viele Sundhäuser ließen die Äpfel aus ihren Gärten hier verarbeiten. Sondern auch wegen des leckeren Apfelweins, im Volksmund liebevoll „Kesselberg´s Riesling“ genannt.

In der Wertherstraße hatte die Familie Krummel ihre Werkstatt und ein Ladengeschäft für Kunsthandwerk. Viele dort entstandene Holzarbeiten zieren heute noch die Wohnungen der Sundhäuser. Die Malermeister Kellner und Machatzke sowie der Dachdecker Hake hatten immer alle Hände voll zu tun.

Die Gärtnerei Ibold war über die Ortsgrenzen hinweg bekannt. In der Riesleber Straße wurde in den 80er Jahren von Fam. Hahn eine kleine Motorradwerkstatt eröffnet.

Sundhausen hatte eine eigene Poststelle. Nach langer Zeit im Erdgeschoss des Wohnhauses der Fam. Paksa in der Sondershäuser Straße (neben Kochs Gang) wurde die Post dann ins Gemeindehaus verlegt. Man konnte dort telefonieren, Postkarten (5 Pfennige), Briefe (20 Pfennige), Päckchen, Pakete und sogar Telegramme aufgeben. Zeitungen und Post wurden von den Zustellerinnen zu Fuß bzw. mit dem Fahrrad ausgetragen bzw. –gefahren, auch die wenigen Päckchen und Pakete wurde so meist gleich mit zugestellt. Nur bei größerem Paketaufkommen, z.B. vor Weihnachten, musste man sich diese dann in der Poststelle abholen.

Mit dem Bau der „Konsum“-Kaufhalle in der Rinnestraße verschwand der überwiegende Teil der kleinen Einzelhandelsläden, die Fleischerei Ströhl wurde geschlossen. Die bisherigen Inhaber / Verkäuferinnen wurden vom Konsum übernommen und arbeiteten dann in der neuen Kaufhalle. Hier gab es Lebensmittel, Backwaren, Fleisch, Getränke und andere sogenannte „Waren des täglichen Bedarfs“ unter einem Dach. Geräumige Regale, Kühltruhen und für die damalige Zeit moderne Kassen brachten mehr Übersichtlichkeit für die Kunden und bessere Arbeitsbedingungen für die Verkäuferinnen mit sich. Dennoch musste man seine Einkäufe gut planen und meist auf mehrere Wochentage und Uhrzeiten verteilen. Fleisch und Getränke wurden nicht jeden Tag angeliefert, spätnachmittags konnten schon mal die Milch oder das Bier ausverkauft sein.

Die Bäckerei Hoppe/Reiche in der Sondershäuser Straße wurde geschlossen. Die Bäckerei Sievert, ebenfalls in der Sondershäuser Straße / Ecke Rodegasse, war dann die einzige Bäckerei im Ort. Daneben gab es in der neuen Kaufhalle ebenfalls Backwaren aus Nordhausen – die „Konsumbrote“ und „Konsumbrötchen“ tauchten neu im Wortschatz der Sundhäuser auf, angelehnt an deren Herkunft aus der Konsum-Bäckerei in Nordhausen.